Umweltorganisationen fordern Begrünungs-Offensive als Hitzeschutz
Schon seit Jahren jagt ein Hitzerekord den nächsten. Für kommendes Wochenende werden Temperaturen von bis zu 40 Grad Celsius erwartet. Solche extremen Werte sind ein Warnsignal: gerade Städte, deren bauliche Strukturen die Auswirkungen des Klimawandels verstärken, sind von Hitze betroffen. Asphalt, Beton und dunkle Fassaden speichern Wärme, geben diese zeitversetzt über die Nachtstunden wieder ab und verschärfen so die Belastung für die Bevölkerung. Besonders für Kinder, ältere Menschen, chronisch Kranke und Menschen, die im Freien arbeiten, können Extremtemperaturen bedrohlich werden. Eine nachhaltige Anpassungsmaßnahme wäre der umfassende Einsatz kühlender Pflanzen, doch die Stadtbegrünung muss dringend schneller voranschreiten, um in den kommenden Jahren wirksam zu werden. Umweltorganisationen wie Greenpeace und WWF fordern daher eine Begrünungs-Offensive zum Hitzeschutz sowie die Entsiegelung stark verbauter Orte.
Sonderbudget für Hitzeschutz
Der WWF Österreich fordert ein Sonderbudget von einer Milliarde Euro für Städte und Gemeinden zum Schutz vor Hitze, Trockenheit und Wasserstress. Mit dem Geld sollen Bund und Länder vor allem stark versiegelte Orte beim Umbau unterstützen, etwa durch Entsiegelung, Begrünung, naturnahe Gewässer und mehr Wasserrückhalt. Mittelfristig müsse insbesondere der ausständige nationale Renaturierungsplan ausreichend finanziert werden, damit solche Maßnahmen bundesweit in die Umsetzung kommen.
„Mehr Natur ist der wirksamste Hitzeschutz. Offene Böden, gesunde Bäume, lebendige Gewässer und intakte Feuchtgebiete speichern Wasser wie ein Schwamm und sorgen für spürbare Abkühlung im Alltag.“
WWF-Experte Joschka Brangs
Der Finanzminister und die Landeshauptleute sollten daher rasch Gespräche über ein entsprechendes Sonderbudget aufnehmen.
Der WWF empfiehlt dafür drei politische Schwerpunkte:
Erstens braucht es verbindliche Entsiegelungsziele und Förderungen für Städte und Gemeinden.
Zweitens müssen Bäume besser geschützt und neue Stadtbäume mit ausreichend Wurzelraum gepflanzt werden.
Drittens benötigt es mehr Renaturierung von Flüssen, Auen, Feuchtgebieten und Wäldern. Diese Naturräume speichern viel Wasser, kühlen ihre Umgebung und verringern Schäden durch Hitze und Trockenheit für Mensch und Natur.
„Hitzeschutz darf nicht bei Verhaltenstipps stehen bleiben. Entscheidend ist, wie wir unsere Orte und Landschaften gestalten. Asphaltwüsten, trockene Böden und verbaute Bäche heizen die Krise weiter an. Deshalb braucht es mehr offene Flächen, mehr Schatten und mehr natürliche Wasserspeicher“, sagt Brangs.
Laut Schätzungen der Europäischen Kommission hat jeder in Renaturierung investierte Euro einen gesellschaftlichen Mehrwert von im Schnitt 12 Euro, unter anderem durch positive Effekte für die Gesundheit, Sicherheit und Krisenvorsorge.
Greenpeace-Analyse: Große Hitzebelastung , Grünanteil entscheidend
Greenpeace hat die Hitzebelastung in Österreichs Städten im Hinblick auf deren Grünflächenanteil untersucht. Die Analyse der 80 bevölkerungsreichsten Städte des Landes zeigt:
Sechs Städte litten 2025 unter sehr großer Hitzebelastung,
weitere 21 unter großer Belastung.
Einige untersuchte Stadtzentren sind durch viel Grün schon gut gegen innerstädtische Hitze gerüstet, andere müssen dringend grüner werden.
Der aktuelle Hitze-Check baut auf einer groß angelegten Satellitendaten-Analyse (https://act.gp/4w06pOg) auf, bei der Greenpeace die Grünflächen der 80 größten Städte ab 10.000 Einwohner:innen unter die Lupe genommen hat. Die Zusammenführung dieser Daten mit der Anzahl der Hitzetage im Vorjahr verdeutlicht nun, wo der Bedarf für Begrünung am akutesten ist.
Besonders viele Hitzetage hatten im Vorjahr Städte im Süden und Osten Österreichs. Mit einer sehr hohen Belastung durch zahlreiche Hitzetage mit 30°C und mehr im Vorjahr stechen Wolfsberg, St. Veit, Völkermarkt, Wien, Eisenstadt und Leibnitz hervor. Während der Stadtkern von Leibnitz zumindest einen moderaten Grünanteil von rund 36.8 Prozent aufweist, ist die Lage vor allem in Wolfsberg sehr kritisch: Hier trifft die höchste Hitzebelastung (40 Hitzetage) auf den mit Abstand geringsten Grünanteil im Stadtzentrum (17.5 Prozent). In allen sechs Städten besteht dringender Handlungsbedarf.
Greenpeace nimmt das zum Anlass, die Städte in die Pflicht zu nehmen: Mit der „NaturStadt-Garantie“ können Städte ihren Bewohner:innen verbindlich zusichern, den Grünflächenanteil zu erhöhen und die urbane Hitze effektiv zu bekämpfen.
Hitzefalle Wohnung, Risiko für gefährliche Zwischenfälle mit Klimageräten steigt
Vermögenssteuer könnte Kommunen stärken
Vielen deutschen Städten und Gemeinden fehlt das Geld für schattige Schulhöfe, Schwimmbäder, entsiegelte Flächen und Hitzeschutz für ältere Menschen. Die Einnahmen ökologisch ausgestaltete Vermögensteuer von zwei Prozent auf Vermögen oberhalb von 100 Millionen Euro könnten die kommunalen Finanzen nachhaltig stärken, zeigt eine neue Studie des Forums Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft (FÖS) im Auftrag von Greenpeace Deutschland. Sie könnte nach Greenpeace-Berechnungen rund 25 Milliarden Euro jährlich einbringen und weniger als 5.000 Haushalte betreffen.
Wer zur Klimaanlage greift, verschärft das Problem
Klimaanlagen kühlen Innenräume zwar kurzfristig, lösen aber das Problem der überhitzten Stadt nicht. Ganz im Gegenteil, sie erzeugen zusätzliche Wärme, die in die Umgebung abstrahlt und die Belastung im öffentlichen Raum zusätzlich verschärft. Langfristig braucht es nachhaltige Alternativen, die Hitze auf natürliche Weise puffern, sogenannte naturbasierte Lösungen.
Fernkälte – die klimafreundliche Alternative zur Klimaanlage
Systemrelevante grüne Infrastruktur
Pflanzen kühlen Städte auf mehreren Ebenen: Sie beschatten Oberflächen, reduzieren direkte Sonneneinstrahlung und senken damit die Aufheizung von Fassaden, Dächern und Straßenräumen. Zugleich kühlen sie durch Verdunstungsleistung.
„Das macht Bäume, Beete, Grünanlagen und Bauwerksbegrünungen zu natürlichen Klimaanlagen und somit zur unverzichtbaren, systemrelevanten Infrastruktur in klimawandelgeplagten Städten. Die Begrünung der Städte ist nicht optional, sondern Pflichtprogramm.“
Stephanie Drlik, Geschäftsführerin der Österreichischen Gesellschaft für Landschaftsarchitektur
Stadtbegrünung ist keine Dekoration mehr – sie wird zur Klimaanlage der Zukunft












