Grüner Wasserstoff: Weniger als ein Prozent wird emissionsfrei hergestellt

Grüner Wasserstoff: Weniger als ein Prozent wird emissionsfrei hergestellt

Die aktuelle Energiekrise macht deutlich, welche Folgen die Abhängigkeit von fossilen Energien hat. Für die Dekarbonisierung ist grüner Wasserstoff ein zentraler Baustein. Im Jahr 2024 wurden laut dem Global Energy Report 2025 weltweit etwa 100 Millionen Tonnen Wasserstoff produziert – rund 99 Prozent davon aus fossilen Brennstoffen. Etwa 980 Millionen Tonnen CO2 wurden dabei emittiert. Nicht einmal ein Prozent wurde emissionsfrei erzeugt. Obwohl es einen großen Bedarf gibt, wird die Entwicklung durch wirtschaftliche, regulatorische und infrastrukturelle Hindernisse gebremst. China ist Treiber bei Aufbau von Elektrolyseuren. Beim Hydrogen Summit 2026 im Rahmen der ees Europe Messe (23. -25. Juni Messe München) rückt das Thema in den Fokus.

 

Hintergrund

Die industrielle Transformation hin zur Klimaneutralität ist für die führenden Wirtschaftsräume eine der zentralen Aufgaben der kommenden Jahrzehnte: Während die Europäische Union beispielsweise die Klimaneutralität bis 2050 anstrebt, visiert China dieses für 2060 an. In beiden Regionen gilt Wasserstoff als strategische Schlüsselkomponente für den Umbau von Industrie und Energiewirtschaft. Die reale Marktentwicklung hinkt den ambitionierten Vorgaben jedoch hinterher: Laut dem Global Energy Report 2025 sind derzeit lediglich rund 11 Prozent der seit Beginn des Jahrzehnts angekündigten Wasserstoffprojekte in Betrieb oder durch Investitionsentscheidungen abgesichert.

 

Fast ausschließlich fossil hergestellt

Obwohl die weltweite Nachfrage nach Wasserstoff kontinuierlich steigt, wird der Energieträger derzeit noch fast ausschließlich auf Basis fossiler Rohstoffe wie Erdgas und Kohle gewonnen. Eingesetzt wird er traditionell für die Ammoniakproduktion, Ölraffinierung und Methanolsynthese. CO2-neutral erzeugte Mengen spielen am Gesamtmarkt bislang eine untergeordnete Rolle. Dabei gilt emissionsfreier Wasserstoff als unverzichtbarer Baustein der Energiewende – insbesondere für die Dekarbonisierung schwer elektrifizierbarer Sektoren wie der Stahlindustrie. Obwohl es einen großen Bedarf gibt, wird die Entwicklung durch wirtschaftliche, regulatorische und infrastrukturelle Hindernisse gebremst.

Neben dem schleppenden Ausbau neuer Pipeline-Netze und der verzögerten Umwidmung bestehender Erdgasinfrastrukturen bleibt die Kostenstruktur ein zentraler Engpass: Nach Analysen der Internationalen Energieagentur (IEA) ist grüner Wasserstoff in der Herstellung derzeit noch zwei- bis dreimal teurer als die fossile Variante. Die nachhaltige Alternative wird jedoch vor allem dann wettbewerbsfähig, wenn unvorhersehbare oder anhaltend hohe Erdgaspreise die konventionelle Produktion verteuern.

„Ein zukunftsfähiges Energiesystem basiert nicht mehr allein darauf, sauber Strom zu erzeugen. Wir müssen diesen Strom auch intelligent speichern und sektorenübergreifend nutzbar machen. Erst wenn wir dezentrale Erzeugung, moderne Batteriespeicher und die Wasserstoff-Elektrolyse flexibel miteinander koppeln, sichern wir die Industrie ab. Grüner Wasserstoff ist dabei ein zentraler Hebel, um die Energieversorgung in Deutschland und Europa resilient aufzustellen, technologisch souverän zu machen und Strompreise langfristig planbar zu halten.“

Markus Elsässer, Gründer und Geschäftsführer der Solar Promotion GmbH

 

China als treibende Kraft

Durch Elektrolyse lässt sich Wasserstoff klimaneutral produzieren, wenn Wasser mithilfe von erneuerbarem Strom in Wasserstoff und Sauerstoff gespalten wird. Die IEA erwartet in den kommenden Jahren aber ein deutliches Wachstum. Bis 2030 soll die Produktion von grünem Wasserstoff weltweit auf 4,2 Millionen Tonnen steigen. Im Vergleich zum Jahr 2024 würde sich die Menge somit verfünffachen. Treibende Kraft beim Aufbau von Elektrolyseuren ist China. Die IEA geht davon aus, dass in China emissonsfreier Wasserstoff bis Ende des Jahrzehnts wettbewerbsfähig wird – aufgrund der niedrigen Technologie- und Kapitalkosten. Auch in Europa sieht sie gute Chancen dafür, weil Erdgas durch die CO2-Bepreisung immer teurer wird. Wenig Potenzial gibt es dagegen in Regionen, wo Erdgas billiger ist, etwa in den Vereinigten Staaten und im Nahen Osten.

 

Einsatzgebiete von emissionsfreiem Wasserstoff

Die Industrie benötigt grünen Wasserstoff dringend für die Stahlproduktion, für Hochtemperaturprozesse über 1.000 Grad Celsius sowie als Basis für synthetische Kraftstoffe im Schwerlast-, See- und Luftverkehr. Außerdem könnte grüner Wasserstoff Erdgas in Fernwärmenetzen ersetzen. Bisher fehlt es jedoch an Elektrolyseuren. Obwohl die Europäische Union bis 2030 eine heimische Elektrolyseur-Kapazität von 40 Gigawatt anstrebt und Staaten wie Deutschland, Spanien oder Frankreich ambitionierte nationale Ziele formuliert haben, hinkt die Praxis der Theorie hinterher.

Die Fortschritte sind gering, weil es neben der Infrastruktur auch an Nachfrage mangelt. Potenzielle Investoren zögern deshalb. Um die Nachfrage anzukurbeln, könnte die Produktion von synthetischen Kraftstoffen eine Lösung sein.

 

Vor diesem Hintergrund rückt die ees Europe, Europas größte und internationalste Fachmesse für Batterien und Energiespeichersysteme, das Thema Wasserstoff gezielt in den Fokus. Vom 23. bis 25. Juni vermittelt der neu ausgerichtete Ausstellungsbereich „Hydrogen Dialogue Forum & Expo“ in Halle B2 fundierte Einblicke in die Einsatzmöglichkeiten von Wasserstoff, technologische Innovationen, Einsparpotenziale und wegweisende Projekte.

„Die Rolle von Wasserstoff als Energieträger der Zukunft wird bisher noch zu wenig erkannt. Mit dem Hydrogen Dialogue setzen wir ein klares Zeichen für den Hochlauf und bilden die gesamte Wertschöpfungskette ab“, erklärt Jens Mohrmann, Geschäftsführer der Freiburg Wirtschaft Touristik und Messe GmbH & Co. KG (FWTM).

Die Wirtschaft braucht tragfähige Lösungen. Hier setzt der Hydrogen Dialogue Summit an, der am 24. und 25. Juni im International Congress Center (ICM) stattfindet.

Aktuelle Trends und Herausforderungen der Wasserstoffbranche werden beleuchtet:

Am 24. Juni steht Deutschland im Mittelpunkt. Zentrale Fragen sind, wie Elektrolyse dazu beitragen kann, Netzengpässe zu entschärfen, erneuerbare Energien besser zu nutzen und wie Chemie-, Zement- und Stahlindustrie die Dekarbonisierung als Wettbewerbsfaktor nutzen können.
Am 25. Juni richtet sich der Blick auf Europa und die Welt sowie auf die wachsende Konkurrenz aus Asien. Spitzenvertreter aus Politik und Wissenschaft diskutieren an beiden Tagen mit Entscheidern aus Wirtschaft sowie von Verbänden aus Deutschland und Europa über die strategische Bedeutung von Wasserstoff für eine resiliente und klimafreundliche Energieversorgung der Zukunft.

 

Europas größte Messeallianz für die Energiewirtschaft

 

 

 

Europas größte Messeallianz für die Energiewirtschaft

Europas größte Messeallianz für die Energiewirtschaft

The smarter E Europe vereint die vier Fachmessen Intersolar Europe, ees Europe, Power2Drive Europe und EM-Power Europe. Sie findet vom 23. bis 25. Juni auf der Messe München statt. Rund 2.800 Aussteller und über 100.000 Besucher aus aller Welt werden erwartet.

 

Der Iran-Krieg und die aktuelle Energiekrise zeigen, dass der Ausstieg aus fossilen Energieträgern deutlich schneller gehen muss und die Energiewende mehr Tempo braucht. Erneuerbare Energien machen unabhängiger von geopolitischen Spannungen und Krisen. Sie gewährleisten eine sichere Energieversorgung und verbinden Zuverlässigkeit, Wirtschaftlichkeit und Klimaschutz. Die Transformation ist nicht aufzuhalten und Innovationen sind heute wichtiger denn je.

 

The smarter E AWARD 2026

Wie progressiv und zukunftsweisend die Branche ist, zeigen die zahlreichen Bewerbungen für den The smarter E AWARD 2026. Ein Expertengremium wählte die besten und innovativsten Neuentwicklungen aus, die für den Preis nominiert sind.

Die begehrte Auszeichnung wird in fünf Kategorien verliehen:

Photovoltaics,
Energy Storage,
E-Mobility,
Smart Integrated Energy und
Outstanding Projects.

Am 22. Juni, am Vorabend des Messestarts von The smarter E Europe, werden die Gewinner ab 17:00 Uhr im International Congress Center Messe München (ICM) ausgezeichnet. Interessierte können die Preisverleihung kostenfrei besuchen.

 

ees Europe

Als Europas größte Fachmesse für Batterien und Energiespeichersysteme führt die ees Europe die globalen Marktführer zusammen. Aussteller präsentieren dort marktreife Innovationen, die Stromkosten senken und Netze stabilisieren – von künstlicher Intelligenz im Speichermanagement bis hin zu Natrium-Ionen-Technologien. Eingebettet in die Messeallianz The smarter E Europe vernetzt die Fachmesse rund 2.800 Aussteller und mehr als 100.000 Entscheider, um Netzspeicher wirtschaftlich in die Infrastruktur der Zukunft zu integrieren.

Der europäische Batteriemarkt skaliert im Rekordtempo. Weil wachsende Solar- und Windkapazitäten die europäischen Netze zunehmend fordern, müssen Speicher Strom künftig über viele Stunden verschieben. Folglich verlängert sich die durchschnittliche Speicherdauer von 1,9 auf 3,5 Stunden – ein technologischer Sprung, der den Trend zu systemrelevanten Netzspeichern untermauert. Wie die Industrie diesen enormen Bedarf deckt, zeigt die ees Europe vom 23. bis 25. Juni in München.

 

ees Europe Conference

Wie die europäische Industrie den enormen Transformationsbedarf technologisch und strategisch deckt, präsentiert die ees Europe Conference am 22. und 23. Juni in München. Im Fokus stehen transnationale Fragen wie die großskalige Finanzierung von Stand-alone-Großspeichern, die erfolgreiche Projektierung paneuropäischer Hybridkraftwerke und der regulatorische Umgang mit Netzentgelten im gewandelten europäischen Energiesystem. Auf der Fachmesse bildet das ees Forum (Halle C2) mit einer Vielzahl an Diskussionsformaten die Plattform für den europarechtlichen Austausch.

 

ees Innovation Hub Stage

Parallel dazu schlägt auf der ees Innovation Hub Stage (Halle B0) das innovative Herz der Veranstaltung: Hier präsentieren europäische Spitzenforschung und Industrie State-of-the-Art-Projekte – vom KI-Einsatz in der Batterieforschung über Best Cases zur Kreislaufwirtschaft bis hin zu Strategien für den Aufbau einer resilienten, eigenständigen Batterieproduktion in Europa. Ein weiteres Highlight ist am 22. Juni die Verleihung des renommierten The smarter E AWARD in der Kategorie Energy Storage.

 

Intersolar Europe 2026

Als weltweit führende Fachmesse für die Solarwirtschaft zeigt sie im Rahmen von The smarter E Europe, Europas größter Messeallianz für die Energiewirtschaft, die neuesten Technologien und Geschäftsmodelle für den gewerblichen und industriellen Sektor (C&I). Wenn sich die internationale Solarbranche im Juni auf der Intersolar Europe 2026 in München trifft, steht in diesem Jahr Indien besonders im Blickpunkt. Das Land gehört bereits heute zu den weltweit wichtigsten Photovoltaikmärkten und entwickelt sich zunehmend auch zu einem Produktionsstandort für PV-Komponenten. Für deutsche und europäische Unternehmen eröffnet das neue Chancen – von Technologiepartnerschaften über Maschinenbau und Forschung bis hin zu widerstandsfähigeren Lieferketten.

 

Die Intersolar Europe fokussiert marktreife Technologien und neue Geschäftsmodelle für den Gewerbe- und Industriesektor. Den Auftakt bildet die Intersolar Europe Conference, die einen Tag vor Messebeginn startet. In dedizierten Sessions analysieren Experten hier die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und technischen Anforderungen für großskalige PV-Projekte.

Begleitend zur Fachmesse bietet das Intersolar Forum (Halle A3) am 23. Juni praxisnahe Einblicke in die Synergien aus PV, Speichern und Flottenmanagement. Am 25. Juni vertieft die Deutsche Gesellschaft für Sonnenenergie (DGS) spezifische C&I-Anwendungen.

Zusätzlich demonstriert die Sonderschau „Renewables 24/7“ (Halle C5), wie die intelligente Vernetzung von Erzeugung, Speicherung und Lastmanagement den Eigenverbrauch in Gewerbe und Industrie optimiert. Besucher erleben hier, wie integrierte Systeme die Versorgungssicherheit garantieren und über die Sektorkopplung neue Erlösquellen erschließen.

 

Power2Drive

Auf der Power2Drive Europe, der internationalen Fachmesse für Ladeinfrastruktur und Elektromobilität, können sich Besucher vom 23. bis 25. Juni in der Messe München über nachhaltige Mobilität und intelligentes Laden informieren. Highlights sind “The Bidirectional Zone” und eine neue Studie zum Thema „Bidirektionale Gewerbeflotten“. Sie wird von der Power2Drive Europe und der Forschungsstelle für Energiewirtschaft e. V. (FfE) vorgestellt. Die Fachmesse greift die aktuellen Marktentwicklungen auf und zeigt, wie das Zusammenspiel von E-Mobilität und erneuerbarer Energieversorgung funktioniert.

In der „The Bidirectional Zone” in Halle C6 werden die rasanten Entwicklungen im Bereich bidirektionales Laden vorgestellt. Besucher bekommen dort Antworten, welche Vorteile es für sie bietet.

Am 23. und 24. Juni finden zum ersten Mal die „Fleet Information Days“ statt. Das neue Format richtet sich mit einem spezifischen Vortragsprogramm und Netzwerkveranstaltungen speziell an Verantwortliche im Fuhrparkmanagement, die eine effiziente Elektrofahrzeugflotte und entsprechende Ladeinfrastruktur aufbauen oder erweitern wollen. Der Bundesverband Neue Mobilität bietet einen Rundgang an. Teilnehmer des Workshops „Nutzfahrzeugflotte elektrifizieren: Ab wann rechnet es sich?“ der eMobile Academy können ein Zertifikat erwerben und sich die Teilnahme als Fortbildung anrechnen lassen.

 

EM-Power Europe

Auf der EM-Power Europe, der internationalen Fachmesse für Energiemanagement und vernetzte Energielösungen, stellen zahlreiche Aussteller vom 23. bis 25. Juni in der Messe München ihre KI-basierten Lösungen und digitalen Innovationen vor. Hier können Besucher mit Vertretern von Unternehmen, Start-ups und anderen Vorreitern der Branche ins Gespräch kommen. Zum ersten Mal gibt es auch den Gemeinschaftsstand „AI for Smart Energy“.

Künstliche Intelligenz (KI) transformiert das Energiesystem: Während der Ausbau von Wind- und Solarkraft europaweit weiter voranschreitet, sichert KI künftig die effiziente Nutzung jeder erzeugten Kilowattstunde. Intelligente Algorithmen synchronisieren Erzeugung und Verbrauch in Echtzeit, stabilisieren so die Netze und vermeiden teure Abregelungen. Damit wird Software zum entscheidenden Werkzeug für eine wirtschaftliche, zuverlässige und erneuerbare Energieversorgung.

Messebesucher haben Gelegenheit, sich über Energie- und Lastmanagement, Vermarktung von Flexibilität, Advanced Metering Infrastructure, Energy-as-a-Service und vieles mehr zu informieren. Die begleitende EM-Power Europe Conference widmet sich am 23. Juni dem Thema Flexibilität in Industrie und Gewerbe.

 

The smarter E Forum

Zusätzliche Impulse bietet das The smarter E Forum mit seinen Vorträgen. Am 24. Juni stellt der Verband smartEn in der Session “Demand-Side Flexibility in Action: Best Practices from the Flexible Demand Management Industry” erfolgreiche Beispiele aus der Praxis vor.

Am Tag zuvor berichtet der Bundesverband Neue Energiewirtschaft e.V. (bne) über die geplanten Änderungen im EEG 2027, mit denen künftig die Flexibilität von Batterien und Ladeinfrastruktur im kleineren Leistungsbereich vergütet werden soll.

Auch auf der EM-Power Europe Conference, am 22. und 23. Juni 2026, ist Flexibilität ein thematischer Schwerpunkt, unter anderem mit den Sessions „Electric Vehicle Grid Integration – Scaling up Flexibility“ und „Turning Industrial and Commercial Demand Side Flexibility into Value“.

 

Building-Technology-Startup gewinnt nationales Finale ClimateLaunchpad

Building-Technology-Startup gewinnt nationales Finale ClimateLaunchpad

Das ClimateLaunchpad Österreich 2026 ist entschieden. Beim nationalen Finale im Rahmen des SPEAK OUT Festivals des KURIER Medienhauses im Wiener Museumsquartier pitchten gestern Abend (10. Junni 2026) sieben visionäre Startups um den Einzug in die nächste Runde des  weltweit größten Wettbewerbs für grüne Geschäftsideen. Das diesjährige Feld beeindruckte durch technologische Höchstleistungen im Deep-Tech-Bereich und einem neuen Rekord: 100 % der Teams traten mit weiblicher Führung oder Beteiligung an.

 

Die hochkarätige Jury, bestehend aus Milda Žilinskaitė (Senior Scientist & Director am WU STaR Competence Center), Florian Schellnast (Co-Founder von Joulzen und ClimateLaunchpad-Alumnus), Lucie Hornauer (Startup Services der Wirtschaftsagentur Wien) sowie Kimiko Uriu (Head of Sustainability und Initiatorin und Leiterin des SPEAK OUT Festivals), kürte nach intensiven Beratungen die Top 3, die Österreich beim Europa Finale Anfang September vertreten werden.

 

Den 1. Platz sicherte sich das Startup Joyh Design

„Der Gewinn von ClimateLaunchpad Austria hat uns gezeigt, dass die Sanierung unserer schönsten Gebäude und das Erreichen unserer Klimaziele ein und dasselbe Ziel sind. Wir sind dankbar, dass so viele Menschen an unsere Vision sowie an unsere Technologie und unser Team glauben, um sie zu verwirklichen”, freut sich das glückliche Gewinner-Team von Joyh Design.

 

Joyh Design (Foto © Romar Ferry)

Das Building-Technology-Startup kombiniert mineralischen 3D-Sanddruck mit einer Design-to-Production-Software, um bestehende Fassaden in leistungsfähige, langlebige Systeme zu verwandeln. So werden Energieverluste im Gebäudebestand minimiert und der Überhitzung von Städten entgegengewirkt. Neben der Teilnahme am Europa Finale gelingt dem Team der direkte Sprung auf die große Weltbühne: Joyh Design reist fix nach Singapur, um ihre eigene grüne Innovation auf der internationalen ClimateLaunchpad-Messe am 14. Oktober in Singapur einem globalen Fachpublikum zu präsentieren.

 

Die weiteren ausgezeichneten Teams

2. Platz (Aufstieg ins Europa Finale): ReneTrax
Entwickelt intelligente robotische Wartungssysteme für Solaranlagen. Durch die datenbasierte, wasserarme Kombination aus Reinigung, Monitoring und Inspektion werden Energieverluste reduziert und der Betrieb von Großanlagen effizienter gestaltbar.

● 3. Platz (Aufstieg ins Europa Finale): HanfBauSysteme
Produziert vorgefertigte, CO2-negative und vollständig recycelbare Hanfkalk-Paneele für den Bausektor. Die Innovation lässt sich praxisnah in bestehende Prozesse integrieren und sorgt für hervorragende Dämmung sowie Feuchteregulierung.

● Audience Award (Publikumspreis): Repartum
Eine digitale Kreislaufwirtschaftsplattform für wiederverwendete Ersatzteile aus alten Elektrogeräten. Sie macht Reparaturen erschwinglicher, verlängert Produktlebenszyklen und macht das Prinzip „Reparieren statt Wegwerfen“ zu einer alltagstauglichen Klimaschutzlösung.

 

Großes weltweites Finale in Singapur

Das globale Finale findet jedes Jahr in einer anderen Metropole statt, letztes Jahr durfte sich Wien über das prestigeträchtige Event freuen, das der Think Tank Thinkubator im Rahmen des Climate Innovation Festivals CIFE nach Österreich holte. Heuer schlägt das Weltfinale seine Zelte in Asien auf.

Während weltweit die restlichen nationalen Vorentscheide stattfinden, bereiten sich die österreichischen Top 3 auf das virtuelle europäische Finale im September vor. Wer dort überzeugt, pitcht beim globalen Finale in Singapur am 14. Oktober 2026. Beide Events werden per Livestream übertragen. Updates dazu gibt es direkt bei Climate-KIC oder über die Kanäle von Thinkubator.

 

Die pro.earth Redaktion gratuliert allen Gewinner:innen, freut sich über die Innovationskraft im Nachhaltigkeitssektor und wünscht allen Start-Ups viel Erfolg auf ihrem weiteren Weg!

 

Weiblich und technologiegetrieben: Österreichs grüne Startup-Elite für das ClimateLaunchpad 2026

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Nach foodwatch-Labortest: Lidl nimmt Pestizid-belastetes Produkt aus dem Verkauf

Nach foodwatch-Labortest: Lidl nimmt Pestizid-belastetes Produkt aus dem Verkauf

Wie wir Mitte Mai berichteten, hatten foodwatch-Laboranalysen kürzlich in Produkten wie Reis, Tee und Gewürzen Rückstände von in der EU verbotenen Pestiziden gefunden. Insgesamt wurden 64 Produkte aus Österreich, Deutschland, Frankreich und den Niederlanden untersucht. Drei deutsche Produkte – von Lidl, Rewe und Fuchs – überschritten sogar Grenzwerte. Doch während Lidl sein betroffenes Produkt nicht mehr verkauft, verweigern Rewe und Fuchs bisher einen Rückruf. Aus Österreich liegen uns noch keine Reaktionen der betroffenen Unternehmen vor.

 

Laut einer Presseaussendung von foodwatch Deutschland ruft Lidl Kreuzkümmel seiner Eigenmarke „Kania“ zurück. Das hat das Unternehmen gegenüber foodwatch angekündigt. Die Verbraucherorganisation hatte bei Labortests zwei in der EU verbotene Pestizide gefunden. Ein Mittel, das Herbizid Flamprop, lag mehr als 200-fach über dem Höchstgehalt. Die betroffene Charge werde nicht mehr verkauft, erklärte Lidl. foodwatch begrüßte den Schritt und forderte Rewe und den Gewürzhersteller Fuchs auf, ihre verunreinigten Produkte ebenfalls zurückzurufen.

foodwatch-Labortest: 30 Rückstände verbotener Pestizide in Reis, Gewürzen und Tee nachgewiesen

Lidl schrieb foodwatch: Man habe bei eigenen Nachkontrollen bei dem Kreuzkümmel der Eigenmarke Kania zwar „keinerlei Auffälligkeiten festgestellt“. Nach einer „umfangreichen Risikobewertung“ habe man sich dennoch dazu entschieden, das Produkt aus dem Verkauf zu nehmen.
Im Rewe „Chili-Mix“ hatte foodwatch insgesamt 22 Pestizide gefunden, davon sieben, die in der EU nicht mehr zugelassen sind. Ein Wirkstoff (Chlorfenapyr) lag nach Berechnungen von foodwatch über dem Grenzwert. Rewe hingegen behauptet, foodwatch habe einen falschen Berechnungsfaktor verwendet, das Produkt sei „vollkommen verkehrsfähig“.
Im Kreuzkümmel des Gewürzherstellers Fuchs (vertreibt auch Marken wie Ostmann oder Kattus) wurden sechs Pestizide nachgewiesen – davon vier in der EU nicht zugelassene. Ähnlich wie beim Lidl-Kreuzkümmel lag das Herbizid Flamprop dabei deutlich über dem Grenzwert (165-fach stärker belastet). Gegenüber Medien erklärte Fuchs, man habe bei eigenen Tests keine Pestizidrückstände gefunden. Das Produkt sei „uneingeschränkt verkehrsfähig“.

 

„Lebensmittelhersteller und Handelskonzerne sind in der Verantwortung, saubere Produkte anzubieten. Wenn Ackergifte, die in Europa längst verboten sind, über importierte Lebensmittel wieder bei uns im Supermarkt landen, ist das nicht akzeptabel. Fuchs und Rewe sollten sich an Lidl ein Beispiel nehmen und ihre Produkte zurückrufen.“

Annemarie Botzki, foodwatch Deutschland

 

Die Verbraucherorganisation betonte, es sei theoretisch möglich, dass die Unternehmen bei eigenen Nachkontrollen keine Pestizidrückstände finden. Eine Charge könne unterschiedlich stark belastet sein, wenn zum Beispiel unterschiedlich stark belastete Rohstoffe darin vermischt seien, so foodwatch. Dennoch müssten Unternehmen in einem solchen Fall ihre Produkte aus Gründen des vorsorgenden Verbraucherschutzes zurückrufen – genau, wie es Lild jetzt tut.

 

foodwatch-Labortest: 2 von 3 Produkten enthalten verbotene Pestizide

foodwatch hatte Ende Mai einen internationalen Labortest veröffentlicht mit insgesamt 64 Produkten aus Deutschland, den Niederlanden, Frankreich und Österreich. Ergebnis: 43 Proben (67 Prozent) enthielten Rückstände von Pestiziden, die in der EU nicht mehr zugelassen sind.

Chemiekonzerne wie Bayer und BASF stellen die Mittel jedoch weiterhin her und verkaufen sie in andere Länder. Über importierte Lebensmittel landen sie wieder in Deutschland im Supermarkt.

foodwatch fordert eine Null-Toleranz-Regelung: Lebensmittel mit Rückständen von verbotenen Pestiziden dürfen nicht in die EU importiert werden. Die EU-Kommission plant zwar aktuell, die Regeln für Importlebensmittel zu überarbeiten. Doch zum einen reichen die Vorschläge bei Weitem nicht aus. Zum anderen lehnt Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer die EU-Pläne bisher ab.

Kritik an neuer EU-Saatgutreform

Kritik an neuer EU-Saatgutreform

Seit 2023 ringt die EU um eine Reform des Saatgutrechts. Die Verhandlungen unter den 27 EU-Staaten über eine neue Verordnung zur Produktion und Vermarktung von Pflanzenvermehrungsmaterial (PRM) treten in die entscheidende Phase. Eine breite Allianz aus Saatgut-Initiativen, Umweltorganisationen, Landwirt:innen und Züchter:innen sieht die Entwicklungen dabei kritisch: Wenn im neuen Saatgutrecht keine wesentlichen Verbesserungen für die Agrobiodiversität und für die Rechte der Landwirt:innen verankert würden, riskiere Europa ein Saatgutsystem, das die Ernährungssouveränität gefährde und keine Antworten auf die Herausforderungen durch die Klimakrise biete. In einer Woche, am 15. Juni 2026, gehen die Trilog-Verhandlungen zum neuen EU-Saatgutrecht zwischen EU-Parlament, Kommission und den Landwirtschaftsminister:innen der Europäischen Union zu Ende.

 

Der weltweite kommerzielle Saatgutmarkt ist rund 50 Milliarden US-Dollar schwer, es dominieren Mais, Soja und Getreide. Der enge Fokus auf nur wenige Sorten und Arten macht unser Lebensmittelsystem krisenanfällig. Die neue EU-Verordnung über die Produktion und das Inverkehrbringen von Pflanzenvermehrungsmaterial könnte die Arbeit lokaler Produzent:innen unmöglich machen und die bedenkliche Situation mit Oligopolen in wesentlichen Bereichen der Landwirtschaft verstärken. Bereits jetzt beherrschen nur drei Konzerne – Bayer, Corteva und Syngenta – mehr als die Hälfte des globalen Saatgutmarkts. Das neue Saatgutrecht könnte diese Machtkonzentration weiter erhöhen, auch zu Lasten der europäischen Konsument:innen.

Laut Gesetzesvorschlag dürfen Saatgut-Unternehmen unbegrenzte Mengen von Saatgut zum Zweck der Züchtung oder Forschung weitergeben. Gleichzeitig sollen Erhaltungsorganisationen und Bäuer:innen aber bei der Weitergabe kleiner Mengen strenge Auflagen erfüllen – eine klare Diskriminierung findet ARCHE NOAH, Gesellschaft zur Erhaltung und Verbreitung der Kulturpflanzenvielfalt.

„Die Saatgut-Industrie hat ihre Interessen durchgesetzt. Wir brauchen aber ein Saatgutrecht, das einen fairen Rahmen für alle Akteur:innen schafft und die Vielfalt der Sorten und Arten für künftige Generationen erhält“, so Paul Grabenberger, Experte für europäische Saatgutpolitik.

Die Trilog-Verhandlungen zwischen EU-Parlament, Kommission und dem Rat der Agrar-Minister:innen wurden intensiv weitergeführt, mit dem Ziel, bis Ende Juni dieses Jahres eine Einigung über den endgültigen Gesetzestext zu erzielen.

Die Züchtung vielfältiger, regional angepasster Sorten von Getreide, Erdäpfeln oder Ölpflanzen zu verbieten, kommt einem Arbeits- und Innovationsverbot gleich. Übergeben die Minister:innen diesen Markt exklusiv der Saatgut-Industrie, werden heimische Saatgut-Produzent:innen, Landwirt:innen und Kosument:innen gleichermaßen im Regen stehen gelassen.

Den einen verbietet man die Arbeit, den nächsten fehlen Sorten zur Klimawandelanpassung und die dritten müssen künftig auf regionale Spezialitäten verzichten. Das wäre ein völlig inakzeptabler Kniefall vor den marktdominierenden Konzernen.

Magdalena Prieler, Saatgutrechts-Expertin von ARCHE NOAH

 

Offener Brief europäischer Küchenchef:innen und Gastronom:innen

In einem offenen Brief vom 8. Juni 2026 kritisieren 122 Küchenchef:innen und Gastronom:innen aus 19 europäischen Ländern, dass Europa in eine Zukunft mit weniger Vielfalt, weniger Geschmack und mit einem weniger widerstandsfähigen Ernährungssystemen zu schlittern droht.

 

Unsere Küchen sind auf vielfältige, hochwertige und geschmackvolle Zutaten angewiesen. Diese entstehen aus einer reichen Vielfalt an Saatgut. Diese Vielfalt ist nicht nur für unsere Küche essenziell, sondern auch für kulturelles Erbe, Nachhaltigkeit und die Zukunft unserer Ernährung, schreiben die Köch:innen.

 

Moderne Kulturpflanzen werden häufig auf hohe Erträge und lange Haltbarkeit gezüchtet – meist auf Kosten von Geschmack und Nährwert, beklagen die Köch:innen aus ganz Europa, darunter Sternekoch Paul Ivić vom Wiener „TIAN“, die Schweizer Naturköchin und Bio-Bäuerin Rebecca Clopath, Sternekoch Thomas Imbusch vom Hamburger Restaurant „100/200”, Haubenkoch Peter Fankhauser vom Tiroler „Guat’z Essen“, Jacob Holmström von „Restaurang Fyr” aus Schweden oder Paul Kolarik von der Wiener „Luftburg”, dem größten Bio-Restaurant der Welt.

 

Mit dem neuen EU-Saatgutrecht droht wertvoller Geschmack von unseren Speisekarten zu verschwinden. Unser Ernährungssystem könnte zu einer Ein-Rezept-Küche werden, warnt Paul Grabenberger, Saatgutrechts-Experte von ARCHE NOAH, der österreichischen Gesellschaft zur Erhaltung der Kulturpflanzenvielfalt.

 

Die Köch:innen fordern

das Recht der Landwirt:innen, ihr eigenes Saatgut anzubauen, auszutauschen und zu verkaufen;
Unterstützung für kleine und lokale Saatguterzeuger:innen;
Weitgehende Freiheiten statt bürokratischer Schikanen für Organisationen und Netzwerke, die traditionelle und regionale Sorten erhalten und weiterentwickeln.

 

Das Rezept für den Erhalt der Artenvielfalt: ein modernes EU-Saatgutrecht

Aus Sicht der unterzeichnenden Top-Köch:innen und -Gastronom:innen entscheiden die aktuellen Verhandlungen in Brüssel, welche Sorten überleben werden, was Landwirt:innen anbauen dürfen und was in Zukunft auf unseren Tellern landet. Jede verlorene Sorte bedeutet einen verlorenen Geschmack, eine verlorene Tradition und ein verlorenes Stück unserer Zukunft, erklären die Köch:innen in ihrem gemeinsamen Appell.

Paul Ivić, CEO und Küchenchef des vegetarischen Sternerestaurants TIAN in Wien sagt:

Ein starkes Europa lebt von Unabhängigkeit. Wir schützen Saatgut nicht, weil es um Samen geht. Wir schützen es, weil Vielfalt Freiheit schafft und unabhängige Bäuerinnen und Bauern Ernährungssicherheit für uns alle sichern. Wo Macht und Vielfalt in den Händen weniger konzentriert werden, geraten Demokratie und Ernährungssicherheit gleichermaßen in Gefahr.

Und Paul Kolarik von der Wiener Luftburg ergänzt: Die Zukunft der Wiener Küche entscheidet sich nicht nur in Restaurants, sondern bereits auf den Feldern und vor allem in der Verfügbarkeit von vielfältigem Saatgut.

„Der offene Brief zeigt, dass das neue Saatgutrecht alle europäischen Bürger:innen betrifft“, sagt Paul Grabenberger. Die Botschaft von Europas Küchenchef:innen ist ein klarer Aufruf an die EU-Politik, Saatgutvielfalt zu schützen und damit Ernährungssicherheit und kulinarische Vielfalt für kommende Generationen zu sichern.

„Reimagine“: Ozeane vor Ausbeutung und Zerstörung schützen

„Reimagine“: Ozeane vor Ausbeutung und Zerstörung schützen

Der Tag der Ozeane am 8. Juni feiert die blaue Welt, die rund 70 Prozent der Erdoberfläche bedeckt und steht diesmal unter dem Motto „Reimagine“. Damit wollen die UN die Menschheit zum Neu- und Umdenken auffordern. Statt die Ozeane einzig als Ressourcenquelle zu nutzen und sie damit immer weiter zu zerstören, soll die Menschheit sie vor Ausbeutung und Zerstörung bewahren, so der Appell der Vereinten Nationen.

 

Ohne die Meere gibt es kein Leben auf der Erde, doch unsere Lebensgrundlage ist aus dem Gleichgewicht geraten. Die Ozeane sind zu heiß und zu sauer, sie leiden unter Verschmutzung und Übernutzung durch den Menschen und das Artensterben schreitet massiv voran. Ein Ausweg aus der Misere ist trotzdem in Sichtweite. Wegweisende internationale Abkommen könnten die Meere in Zukunft besser schützen.

Gesunde Meere sind unverzichtbar

Die Ozeane bedecken über 70 Prozent des Planeten. Sie sind eine unverzichtbare Lebensquelle für das Überleben auf der Erde: Ohne lebendige Meere gibt es kein Leben an Land, doch die Kraft der Ozeane ist erschöpft, sie wanken.

Meeresorganismen wie Phytoplankton, Seegräser oder Mangroven produzieren rund 50 Prozent des atmosphärischen Sauerstoffs.
Wissenschaftler schätzen, dass etwa 3,2 Milliarden Menschen für ihre Versorgung mit tierischem Protein wesentlich auf Nahrung aus dem Meer und damit unmittelbar auf funktionierende Meeresökosysteme und gesunde Fischbestände angewiesen sind.
Noch können die Weltmeere etwa 30 Prozent unserer CO₂-Emissionen aufnehmen.
Die Ozeane regulieren Wetter und Klima der Erde.
Küsten und Meere sind Sehnsuchts- und Erholungsraum für viele Millionen Menschen.
Ökosysteme wie Korallenriffe, Mangrovenwälder und Seegraswiesen sind unverzichtbar für den Küstenschutz. Sie können unsere Küsten vor verheerenden Fluten und vor Erosion schützen – wenn sie intakt sind.
Die biologische Vielfalt der Meere, speziell die der Tiefsee, ist unvergleichlich und noch weitgehend unerforscht.

 

Ozeane als Klimaschützer

Wie wichtig gesunde Ozeane sind, wird häufig unterschätzt. Denn Meere sichern nicht nur Lebensräume, Nahrung und wirtschaftliche Grundlagen – sie spielen auch eine entscheidende Rolle für das Klima. Umweltwissenschaftler Björn Suckow:

„Die Ozeane funktionieren wie eine natürliche Klimaanlage. Sie speichern große Mengen Wärme und leisten einen entscheidenden Beitrag für das Leben auf der Erde: Rund die Hälfte des Sauerstoffs entsteht im Ozean – vor allem durch Phytoplankton, mikroskopisch kleine Algen und andere photosynthetisch aktive Organismen. Wenn wir aus dem Meer Nahrung und Energie gewinnen wollen, brauchen wir gesunde Meere.“

Die Ozeane leisten jedoch nicht nur einen wichtigen Beitrag für Sauerstoffproduktion und Klimaregulierung – sie nehmen auch große Mengen des von Menschen verursachten Kohlendioxids auf und bremsen damit die Folgen des Klimawandels mit ab. „Der Ozean puffert einen Teil unseres CO2-Ausstoßes ab“, erklärt Suckow. „Das hilft kurzfristig – gleichzeitig verändert sich dadurch aber auch das Meer.“ Die steigende Aufnahme von Kohlendioxid trägt dazu bei, dass Ozeane saurer werden. Das kann langfristig marine Lebensräume belasten – etwa Organismen mit Kalkschalen wie Muscheln oder bestimmte Krebstiere. Für Suckow ist deshalb klar: „Wenn wir gesunde Meere erhalten wollen, brauchen wir konsequenten Klimaschutz.“

 

Belastungsgrenzen erreicht oder überschritten

Dem Trio aus Klimakatastrophe (steigende Meerestemperaturen und Meeresspiegel, Versauerung), Überfischung (Vernichtung der Artenvielfalt, Fischereimüll- und Geisternetzproblematik) und Vermüllung (Plastikabfälle, hochgiftige Substanzen, kommunale und landwirtschaftliche Abwässer) können die Meere heute nicht mehr viel entgegensetzen.

Mittlerweile ist sogar ihre Produktionskapazität für lebenspendenden Sauerstoff gesunken. Von 1960 bis 2019 büßten die Weltmeere mehr als zwei Prozent ihres Sauerstoffgehalts ein. Tendenz steigend. Gleichzeitig verdoppelte sich weltweit die Zahl der Todeszonen ohne Sauerstoff in Küstengebieten von 1960 bis 2007 auf mehr als 500. Auch die CO₂-Speicherkapazität der Meere geht weltweit zurück.

 

Ozeanische Kipppunkte

Die Ozeane sind Schauplatz schwerwiegender, vom Menschen ausgelöster Krisen. Auf die dramatischen Folgen für das Leben auf der Erde macht der UN-Welttag der Ozeane aufmerksam.

Klimawandel
Biodiversitätsverluste: Sechstes Massenaussterben der Erdgeschichte (Überfischung, Korallensterben)
Lebensraumzerstörung (Küstenbaumaßnahmen, Sand– und Kiesabbau)
Meeresverschmutzung (Plastikmüll, Überdüngung, Umweltgifte, Lärm, Öl, Hafenschlick)
Übertourismus, Kreuzfahrttourismus
Tiefseebergbau

„Leider hat man die Bedeutung der Ozeane für das Leben auf der Erde erst spät erkannt. Die Übernutzung mariner Ressourcen der zurückliegenden Jahrzehnte darf so nicht weitergehen, denn die Menschheit vernichtet dabei auch ihre eigene Lebensgrundlage. Gemeinsam mit unseren Partnern arbeiten wir für den Erhalt lebendiger Ökosysteme und der Artenvielfalt.“

Biologe Ulrich Karlowski, Deutsche Stiftung Meeresschutz

 

Schutz der Meere funktioniert nur gemeinsam

In den letzten Jahren hat es die Weltgemeinschaft geschafft, unglaublich wichtige Abkommen zum Schutz der Meere auf den Weg zu bringen.

Das BBNJ-HochseeschutzabkommenDas UN-Hochseeschutzabkommen macht unter anderem erstmalig den Weg für Meeresschutzgebiete auf der Hohen See frei. Der 17. Januar 2026 markierte einen historischen Meilenstein für den Meeresschutz. Nach über 20 Jahre dauernden Verhandlungen trat das UN-Hochseeschutzabkommen (High Seas Treaty/BBNJ-Abkommen) in Kraft.Erstmals einigte sich damit ein großer Teil der Weltgemeinschaft auf einen völkerrechtlich verbindlichen Rahmen zur Erhaltung und nachhaltigen Nutzung der Biodiversität in Gebieten außerhalb nationaler Zuständigkeit (Biodiversity Beyond National Jurisdiction/BBNJ), auch Hohe See genannt.

Meilenstein bei Schutz der Hochsee

Die Biodiversitätskonvention – CBDDas Hochseeschutzabkommen verschafft dem im Dezember 2022 in Montreal von der Biodiversitätskonvention (Übereinkommen zur biologischen Vielfalt, Convention on Biological Diversity/CBD) verabschiedeten 30-×-30-Ziel die notwendige Durchschlagskraft. Das Weltnaturabkommen sieht vor, 30 Prozent der weltweiten Meeresfläche bis 2030 unter Schutz zu stellen.Um das sechste globale Massenaussterben aufzuhalten und der Zerstörung von Lebensräumen entgegenzuwirken, will die Staatengemeinschaft 30 Prozent der Land- und 30 Prozent der Meeresflächen bis 2030 unter Schutz stellen.

Erfolg bei Artenschutzkonferenz in Rom

 

Das Abkommen der Welthandelsorganisation (WTO) zur Einschränkung schädlicher Fischereisubventionen verbietet staatliche Zuschüsse für illegale Fischerei, unregulierte Hochseefischerei und den Fang überfischter Bestände.

Die Abkommen werden erst wirksam, wenn die darin vereinbarten Ziele erreicht werden.

„Die Meere können sich erholen. Wo der Mensch sie weniger belastet, offenbaren sie eine unvorstellbare Regenerationskraft. Bisher fehlt der politische Wille, die festgelegten Schutzmaßnahmen konsequent voranzutreiben. Der Fahrplan steht, jetzt muss es losgehen. Nur so können wir die Meere und damit unsere Lebensgrundlagen bewahren.“

Anna Holl Buhl, WWF Deutschland

 

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El Niño: Das Klimaphänomen, das das Wetter der ganzen Welt beeinflusst

El Niño: Das Klimaphänomen, das das Wetter der ganzen Welt beeinflusst

Angetrieben durch ungewöhnlich warmes Meerwasser im tropischen Pazifik entwickeln sich derzeit El-Niño-Bedingungen, die laut der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) die globalen Temperatur- und Niederschlagsmuster beeinflussen und das Risiko von Extremwetterereignissen  – wie Starkregen einerseits und anhaltender Hitze, Trockenheit und Dürre sowie Waldbränden andererseits – in den kommenden Monaten erhöhen werden. Der Klimawandel verstärkt die Auswirkungen von El-Niño. 

 

Wenn von Rekordtemperaturen, Dürren, Waldbränden oder extremen Niederschlägen die Rede ist, fällt häufig ein Begriff: El Niño. Das Klimaphänomen tritt regelmäßig im tropischen Pazifik auf und beeinflusst das Wettergeschehen rund um den Globus. Obwohl El Niño weit entfernt von Europa entsteht, sind seine Auswirkungen auch hier spürbar.

„Wir müssen uns auf ein möglicherweise starkes El-Niño-Ereignis vorbereiten – das Dürren und Starkregen verschärfen und das Risiko von Hitzewellen sowohl an Land als auch im Ozean erhöhen wird. Das jüngste El-Niño-Ereignis in den Jahren 2023–24 war eines der fünf stärksten seit Beginn der Aufzeichnungen und trug zu den Rekord-Globaltemperaturen bei, die wir 2024 verzeichneten.“

WMO-Generalsekretärin Celeste Saulo

 

Laut neuesten Erkenntnissen der WMO, kommt es mit 80%-iger Wahrscheinlichkeit im Zeitraum Juni bis August 2026 zu einem El-Niño-Ereignis. Die Wahrscheinlichkeit, dass dieses bis mindestens November anhält, liegt bei fast oder über 90 %. Obwohl hinsichtlich der maximalen Stärke und des Zeitpunkts von El Niño weiterhin Unsicherheit besteht, deuten die meisten Vorhersagemodelle darauf hin, dass es sich um ein zumindest moderates – und möglicherweise starkes – Ereignis handeln wird.

 

 

Da die Temperaturen im tropischen Pazifik derzeit 6 °C über dem Durchschnitt liegen, wächst die Sorge, dass sich dieser El Niño von dieser zusätzlichen Wärme nähren und weltweit gefährdete und unvorbereitete Gemeinden verwüsten könnte.

In den vergangenen Jahren rückte El Niño besonders in den Fokus der Wissenschaft. Gemeinsam mit dem menschengemachten Klimawandel trug das Phänomen dazu bei, dass weltweit neue Temperaturrekorde gemessen wurden. Doch was steckt eigentlich dahinter?

 

Was ist El Niño?

Unter normalen Bedingungen treiben Passatwinde warmes Oberflächenwasser von Südamerika in Richtung Australien und Indonesien. Vor der Küste Südamerikas steigt dadurch kaltes, nährstoffreiches Tiefenwasser auf. Dieses Zusammenspiel beeinflusst das Wetter rund um den Pazifik.

Während eines El-Niño-Ereignisses schwächen sich die Passatwinde jedoch deutlich ab. Das warme Wasser bleibt nicht mehr im westlichen Pazifik, sondern breitet sich nach Osten aus. Die Oberflächentemperaturen des Pazifiks steigen teilweise um mehrere Grad.

Dadurch verändert sich die Verteilung von Wärme und Feuchtigkeit in der Atmosphäre. Die Folge sind großräumige Veränderungen von Wind- und Niederschlagsmustern auf der ganzen Erde.

Weltkarte mit den von El Niño betroffenen Regionen (Grafik: WMO)

 

 

„Diese Aktualisierung ist von Bedeutung, da El Niño ein wesentlicher Einflussfaktor für globale Wetter- und Klimamuster ist“, sagte WMO-Generalsekretärin Celeste Saulo. „Die Auswirkungen von El Niño reichen weit über seinen Ursprungsort im Pazifik hinaus und wirken sich auf Landwirtschaft, Energieversorgung, Handel, Wasserressourcen, Lieferketten und die Lebensgrundlagen ganzer Regionen aus.“

 

Warum betrifft uns das in Europa?

El Niño ist kein lokales Wetterereignis, sondern Teil eines globalen Klimasystems. Die veränderten Luftströmungen beeinflussen Wettermuster auf mehreren Kontinenten gleichzeitig.

Typische Folgen können sein:

Dürren in Australien, Indonesien und Teilen Südafrikas
Starke Regenfälle und Überschwemmungen an der Westküste Südamerikas
Veränderungen der Monsunregen in Asien
Höhere globale Durchschnittstemperaturen
Erhöhte Wahrscheinlichkeit für Hitzewellen, Waldbränden und Extremwetterereignisse
Mehr hitzebedingte Erkrankungen, eine stärkere Ausbreitung von durch Vektoren übertragenen Krankheiten
Erhöhter Druck auf die Nahrungsmittel- und Wasserversorgung

Für Europa sind die Auswirkungen weniger direkt als in den Tropen. Dennoch können sich Luftdrucksysteme und Strömungsmuster verändern, was regionale Wetterextreme begünstigen kann.

 

El Niño und der Klimawandel

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler betonen, dass El Niño nicht durch den Klimawandel verursacht wird. Das Phänomen existiert seit Jahrtausenden als natürlicher Bestandteil des Klimasystems.

Der Klimawandel wirkt jedoch wie ein Verstärker. Steigen die globalen Temperaturen durch Treibhausgase an, können El-Niño-Jahre besonders heiß ausfallen. Viele der jüngsten Temperaturrekorde entstanden durch das Zusammenspiel eines starken El Niño mit der langfristigen Erwärmung der Erde.

Klimaforscherin Helga Kromp-Kolb weist seit Jahren darauf hin, dass einzelne Wetterereignisse zwar natürlich sein können, die zunehmende Häufung und Intensität vieler Extreme jedoch eng mit der globalen Erwärmung zusammenhängt.

 

Der Gegenspieler: La Niña

Auf El Niño folgt häufig die Gegenphase La Niña. Dabei verstärken sich die Passatwinde und mehr kaltes Wasser steigt vor Südamerika an die Oberfläche. Die Temperaturen im tropischen Pazifik sinken.

La Niña kann die globale Durchschnittstemperatur vorübergehend etwas dämpfen. Der langfristige Erwärmungstrend bleibt davon jedoch unberührt. Die vergangenen Jahrzehnte zeigen deutlich, dass die Erde trotz natürlicher Schwankungen immer wärmer wird.

Sowohl El Niño als auch La Niña sind gegensätzliche Phasen der El-Niño-Southern-Oscillation (ENSO), eines der stärksten natürlich auftretenden Klimaphänomene auf der Erde.

 

Daten und Fakten

* El Niño tritt durchschnittlich alle zwei bis sieben Jahre auf, begünstigt durch warme Meeresgewässer.

* Ein Ereignis dauert meist neun bis zwölf Monate, teilweise auch länger.

* Während starker El-Niño-Phasen steigt die globale Durchschnittstemperatur zusätzlich an.

* Das Rekordjahr 2024 wurde unter anderem durch die Kombination aus Klimawandel und El Niño beeinflusst.

* El Niño verändert Niederschlags- und Windmuster auf nahezu allen Kontinenten.

* Das Phänomen ist Teil des sogenannten ENSO-Zyklus (El Niño Southern Oscillation), einem der wichtigsten natürlichen Klimatreiber der Erde. ENSO-Ereignisse lassen sich in vier Kategorien einteilen: schwach, mäßig, stark oder sehr stark. „Schon ein mäßiger El Niño erhöht die Wahrscheinlichkeit bestimmter Wetter- und Klimaextreme“, so die WMO.

 

El Niño zeigt eindrucksvoll, wie eng die Klimasysteme unseres Planeten miteinander verbunden sind. Was vor der Küste Südamerikas beginnt, kann Auswirkungen auf Ernten in Afrika, Waldbrände in Australien oder Hitzewellen in Europa haben. In einer sich erwärmenden Welt wird das Verständnis solcher Zusammenhänge immer wichtiger – denn Klimaschutz bedeutet auch, die komplexen Mechanismen unseres Planeten besser zu verstehen.

 

Link:

WMO El Niño/La Niña Update (May 2026)

CO₂ zurück in den Stein: Forscher arbeiten an der Zukunft der Klimarettung

CO₂ zurück in den Stein: Forscher arbeiten an der Zukunft der Klimarettung

Die Vermeidung von Treibhausgasen bleibt die wichtigste Maßnahme gegen den Klimawandel. Doch selbst wenn die weltweiten Emissionen in den kommenden Jahren deutlich sinken, wird ein Problem bleiben: In der Atmosphäre befindet sich bereits so viel Kohlendioxid, dass viele Klimaziele ohne zusätzliche Maßnahmen kaum noch erreichbar erscheinen. Deshalb rückt eine Technologie immer stärker in den Fokus von Forschung und Politik: die aktive Entnahme und dauerhafte Speicherung von CO₂. Ein aktueller wissenschaftlicher Fortschritt der TU Wien zeigt nun, wie Kohlendioxid langfristig sicher im Untergrund gespeichert werden könnte.

 

Wenn CO₂ im Gestein verschwindet

Bei der sogenannten geologischen CO₂-Speicherung wird Kohlendioxid tief unter die Erdoberfläche gepresst. Dort gelangt es in poröse Gesteinsschichten, die mit salzhaltigem Wasser gefüllt sind. Die Forschenden der TU Wien konnten mithilfe von Simulationen zeigen, wie sich das CO₂ in diesen Schichten verteilt und langfristig gebunden werden kann.

Sobald sich das Gas im Wasser löst, verändert sich dessen Dichte. Das mit CO₂ angereicherte Wasser wird schwerer und sinkt tiefer in die Gesteinsschichten ab. Dadurch wird verhindert, dass das Treibhausgas wieder an die Oberfläche gelangt. Das CO₂ bleibt über sehr lange Zeiträume im Untergrund gespeichert.

Die Forschung liefert damit wichtige Erkenntnisse für den Ausbau sogenannter Carbon-Storage-Projekte, die weltweit als mögliche Ergänzung zum Klimaschutz diskutiert werden.

Technologien zur CO₂-Entnahme und Speicherung im Aufbruch

Von der Speicherung zur Versteinerung

Noch einen Schritt weiter geht die sogenannte Mineralisierung. Dabei reagiert Kohlendioxid mit bestimmten Gesteinsarten und wird in feste Mineralien umgewandelt. Aus dem gasförmigen CO₂ entsteht dabei praktisch neuer Stein.

„Das ist allerdings ein sehr träger Prozess“, sagt Giada Franceschi, die gemeinsam mit Prof. Ulrike Diebold am Institut für Angewandte Physik der TU Wien das Projekt leitete. „Auf diese Weise lässt sich nicht erklären, dass in der Natur diese Art von Karbonatgestein oft sehr schnell entsteht. Tests mit industrieller CO2-Injektion in den Boden zeigen, dass 60 % des Kohlenstoffs schon innerhalb von zwei Jahren in Mineralien gebunden werden können. Wenn sich dafür zuerst Ionen aus dem Gestein lösen müssten, würde das Jahrzehnte oder Jahrhunderte dauern.“

 

Ein direkter Weg, erstmals nachgewiesen

Allerdings wurde schon seit längerer Zeit spekuliert, ob es nicht einen direkteren Weg für Kohlendioxid-Einbau in bestimmte Materialien geben könnte: Bei Anwesenheit von Wassermolekülen an der Mineral-Oberfläche, so die Vermutung, könnte CO2 direkt ins Gestein eingebaut werden, ohne dass vorher das Mineral aufgelöst werden muss, ohne den Umweg über gelöste Ionen, deren Bildung chemisch eher träge ist. Und Wasser ist unter natürlichen Bedingungen rund um diese Mineralien fast immer vorhanden.

Anhand des Minerals Wollastonit konnte das Team an der TU Wien nun zeigen, dass dieser alternative Weg tatsächlich existiert. Möglich wurde das durch hochauflösende Rasterkraftmikroskopie: Die chemischen Prozesse ließen sich auf atomarer Skala direkt beobachten.

 

Island als Vorreiter

Bekannt geworden ist dieser Ansatz vor allem durch Projekte in Island, wo Kohlendioxid in Basaltgestein eingebracht wird. Innerhalb weniger Jahre kann sich das Treibhausgas dort dauerhaft in Karbonatgestein verwandeln. Das Risiko einer späteren Freisetzung wird dadurch nahezu ausgeschlossen.

Die Idee klingt fast zu einfach: CO₂ wird aus der Atmosphäre oder aus Industrieanlagen abgeschieden und anschließend dauerhaft in der Erde gebunden – entweder als gelöstes Gas oder als neues Gestein.

 

Warum die Technologie immer wichtiger wird

Der Weltklimarat IPCC geht inzwischen davon aus, dass die Erreichung der internationalen Klimaziele ohne sogenannte Negativemissionen kaum möglich sein wird. Neben der drastischen Reduktion von Emissionen müssen künftig auch Milliarden Tonnen Kohlendioxid wieder aus der Atmosphäre entfernt werden.

Dabei stehen verschiedene Ansätze zur Verfügung: Aufforstung, Humusaufbau in Böden, direkte CO₂-Entnahme aus der Luft sowie die Speicherung im Untergrund. Keine dieser Methoden kann den Ausstieg aus fossilen Energien ersetzen. Sie könnten jedoch dabei helfen, unvermeidbare Restemissionen aus Industrie, Landwirtschaft oder Luftverkehr auszugleichen.

 

Daten und Fakten

Die globale CO₂-Konzentration in der Atmosphäre liegt heute bei über 425 ppm und damit auf dem höchsten Stand seit mindestens 800.000 Jahren.
Der Weltklimarat IPCC sieht die Entnahme von CO₂ aus der Atmosphäre als wichtigen Baustein für das Erreichen der Klimaneutralität.
Bei der Mineralisierung kann CO₂ innerhalb weniger Jahre dauerhaft in Gestein umgewandelt werden.
Weltweit befinden sich zahlreiche Carbon-Storage-Projekte im Aufbau oder bereits im Betrieb, unter anderem in Island, Norwegen, Kanada und den USA.
Auch Österreich verfügt über geologische Formationen, die grundsätzlich für eine langfristige CO₂-Speicherung geeignet sein könnten.

Die Forschung der TU Wien zeigt, dass Klimaschutz nicht nur bedeutet, weniger CO₂ auszustoßen. Zunehmend geht es auch darum, Wege zu finden, bereits ausgestoßenes Kohlendioxid dauerhaft aus dem Kreislauf der Atmosphäre zu entfernen. Die Erde selbst könnte dabei zu einem der größten CO₂-Speicher der Zukunft werden.

 

Originalpublikation

A. Conti et al., Molecular Views of Mineral Carbonation: Reaction of CO2 with the Wollastonite (100) Surface, ASC Nano 20/13 (2026)

 

WELTUMWELTTAG 2026 #NowForClimate

WELTUMWELTTAG 2026 #NowForClimate

Dieses Jahr steht der Klimaschutz im Zentrum der Aufmerksamkeit. Während wir weltweit mit den Auswirkungen der menschgemachten Erderwärmung zu kämpfen haben, gibt es immer noch Verzögerer und Ablenker. Dennoch verändert der Klimaschutz  bereits das Leben der Menschen – still und stetig, überall auf der Welt. Sauberere Luft in überfüllten Städten. Zuverlässigere Energieversorgung in ländlichen Gemeinden. Sicherere Wohnverhältnisse. Gesündere Ernährungssysteme. 

 

„Der Planet diskutiert nicht. Er verhandelt nicht. Er sendet Signale – steigende Meeresspiegel, tobende Waldbrände, Hitzewellen, schmelzende Gletscher. Wir sagten, 1,5 °C sei die Grenze. Wir überschreiten sie. Seit Jahrzehnten hört die Welt die Klimageschichte – Warnungen, Ziele, ferne Fristen. Allzu oft ging die Reaktion im Lärm unter: Verzögerung, Ablenkung, Leugnung.

Aber hört jetzt genauer hin. Unter all dem Lärm macht sich ein anderes Signal bemerkbar. Sonnenkollektoren erstrecken sich über die Dächer. Windkraftanlagen säumen den Horizont. Städte werden neu gestaltet – für die Menschen. Wälder werden wieder aufgeforstet. Lösungen für den Klimaschutz schlagen in jedem Winkel der Erde Wurzeln. “

www.environmentalday.global

 

Der #WorldEnvironmentDay 2026 konzentriert sich auf den Klimawandel – auf die Signale, die die Erde sendet, und die Signale, die wir ihr zurücksenden. Die globale Kampagne des UNEP ruft uns alle dazu auf, uns #NowForClimate zu engagieren und dabei zu helfen, eine Welt zu gestalten, die bereits im Umbruch ist.

 

Lösungen sind bereits vorhanden und setzen sich rasch durch

Die Verringerung von Lebensmittelverlusten und -verschwendung stärkt die Ernährungssicherheit und spart Geld.
Nachhaltige Gebäude senken den Energieverbrauch und fördern ein widerstandsfähiges Wachstum.
Eine Verringerung der Methanemissionen bremst die Erderwärmung rasch und verbessert die Luftqualität.
Wälder und Moore binden Kohlenstoff, verringern Klimarisiken und schützen gleichzeitig die Artenvielfalt.
Saubere Energie und Elektromobilität breiten sich rasch aus.
Wussten Sie schon? Solar- und Windenergie überholen in einigen Märkten mittlerweile die Kohle, was einen bedeutenden Wandel signalisiert.

 

Hitzehotspots Städte entschärfen

Städte verursachen über 70 % der Emissionen, gleichzeitig sind sie auch Vorreiter bei Klimalösungen.
Extreme Hitze ist ein schnell wachsendes Risiko in Städten, besonders für sozial benachteiligte Gruppen.
Grüne Infrastruktur kühlt Städte und verbessert die Lebensqualität aller.
Nachhaltige Kühlung senkt Emissionen und schützt Gemeinden.
Schwammstadtlösungen helfen Extremwetterereignisse in Ballunsgzentren besser abzupuffern und das Wasser effektiver zu speichern.
Wussten Sie schon? Stadtnatur kann Städte um bis zu 4 °C kühlen und Überschwemmungen verringern.
Link: 50 cities @ 50 degrees

 

Klimaschutz als große Chance

Klimaschutz fördert Wachstum, Arbeitsplätze und Investitionen und ermöglicht den Wechsel zu einem nachhaltigeren Wirtschaftssystem.
Der Übergang weg von fossilen Brennstoffen in den Energiesystemen muss auf gerechte, geordnete und ausgewogene Weise erfolgen.
Saubere Energie bietet zuverlässige, heimische Alternativen und stärkt die Unabhängigkeit von internationalen Krisen.
Anpassungsmaßnahmen bieten hohe Renditen und Vorteile für die Widerstandsfähigkeit.
Wussten Sie schon? Klimaresilienz könnte Chancen im Wert von 18 Billionen Dollar erschließen.

 

Klimalösungen für veschiedenste Interessengruppen finden Sie hier:

https://www.worldenvironmentday.global/2026/latest/climate-solutions

 

 

 

 

Strom wird zum Gold der KI-Ära – warum Energie-Startups an der Börse durchstarten

Strom wird zum Gold der KI-Ära – warum Energie-Startups an der Börse durchstarten

Während viele Technologieunternehmen von künstlicher Intelligenz profitieren, erleben auch Energie-Startups in den USA einen bemerkenswerten Aufschwung. Unternehmen aus den Bereichen Batteriespeicher, Geothermie und intelligente Stromnetze werden zunehmend zu gefragten Börsenwerten. Dahinter steckt ein fundamentaler Wandel: Die Energiewende und die Digitalisierung treiben den weltweiten Strombedarf auf ein neues Niveau.

 

Warum der Energiebedarf plötzlich explodiert

Künstliche Intelligenz, Rechenzentren, Elektromobilität und die Elektrifizierung der Industrie benötigen enorme Mengen an Strom. Allein der Ausbau von KI-Rechenzentren verändert derzeit die Energiemärkte. Gefragt sind deshalb Technologien, die große Mengen erneuerbarer Energie zuverlässig verfügbar machen und gleichzeitig die Stabilität der Stromnetze sichern.

Besonders Batteriespeicher gewinnen an Bedeutung. Sie gleichen Schwankungen bei Wind- und Solarstrom aus und werden zunehmend als unverzichtbare Infrastruktur der Energiewende betrachtet. Die USA haben ihre installierte Batteriespeicherkapazität in den vergangenen Jahren massiv ausgebaut und gehören inzwischen zu den weltweit wichtigsten Wachstumsmärkten.

 

Geothermie und Speicher rücken in den Fokus

Neben Batteriespeichern wächst auch das Interesse an Geothermie. Anders als Wind- oder Solarenergie kann Erdwärme rund um die Uhr Strom liefern und gilt deshalb als wichtige Ergänzung für ein klimaneutrales Energiesystem.

Unternehmen wie Fervo Energy setzen dabei auf moderne Bohrtechnologien und digitale Steuerungssysteme, um geothermische Energie wirtschaftlicher nutzbar zu machen. Gleichzeitig investieren Energieversorger und Technologieunternehmen verstärkt in Speicherlösungen, um den steigenden Strombedarf von Rechenzentren und Industrieanlagen abzusichern.

 

Nachhaltigkeit wird zum Wirtschaftsfaktor

Der Erfolg vieler Energie-Startups zeigt, dass Klimaschutz und wirtschaftliche Interessen zunehmend zusammenfallen. Investoren suchen nicht mehr nur nach Unternehmen mit einer nachhaltigen Vision, sondern nach Geschäftsmodellen, die zentrale Herausforderungen der kommenden Jahrzehnte lösen können.

Dazu gehören eine stabile Stromversorgung, der Ausbau erneuerbarer Energien, leistungsfähige Speichersysteme und intelligente Netze. Wer in diesen Bereichen innovative Lösungen entwickelt, profitiert von einem Markt, der weltweit stark wächst.

 

Daten und Fakten

Die installierte Batteriespeicherkapazität in den USA liegt mittlerweile bei rund 175 Gigawattstunden.
Seit Ende 2023 ist die Speicherkapazität um rund 177 Prozent gewachsen.
Fervo Energy entwickelt Geothermie-Projekte mit einer Leistung von mehr als 500 Megawatt.
Der globale Strombedarf von Rechenzentren könnte sich laut verschiedenen Prognosen bis zum Ende des Jahrzehnts vervielfachen.
Energiespeicher, Geothermie und intelligente Stromnetze zählen zu den am schnellsten wachsenden Segmenten der Energiewirtschaft.