1,5 °C werden überschritten – jetzt zählt jedes Zehntelgrad

1,5 °C werden überschritten – jetzt zählt jedes Zehntelgrad

Die globale Erwärmung wird voraussichtlich die 1,5-°C-Marke überschreiten und damit die Klimarisiken und -auswirkungen auf ein gefährlich neues Niveau treiben, warnt ein neuer Bericht des UNEP. Die Wahrscheinlichkeit, dass irreversible Veränderungen ausgelöst werden, steigt mit jedem weiteren Bruchteil eines Grads und mit jedem Jahr, in dem die Temperaturen auf einem erhöhten Niveau bleiben. Es ist jedoch laut UNEP nach wie vor möglich, die Temperaturen zu senken und die globalen Ziele des Pariser Abkommens zu erreichen. Nachdem wir die Einhaltung des 1,5-°C-Zieles nicht  erreichen, gehe es nun darum, den Zeitraum der Überschreitung so gering als möglich zu halten.

 

Der Bericht „Limiting Overshoot“ identifiziert einen Pfad mit den Phasen „Überschreitung, Höchststand und Rückgang“ als die beste verbleibende Option, um das Ausmaß und die Dauer dieser Überschreitung zu minimieren und so schnell wie möglich wieder unter 1,5 °C zu kommen.

„Die sengende Hitze, die verheerenden Waldbrände und die tödlichen Überschwemmungen dieses Sommers sind eine Warnung vor dem, was noch auf uns zukommt. Wir müssen die Überschreitung der 1,5-Grad-Grenze so gering und so kurz wie möglich halten. Das erfordert ein überdurchschnittliches Engagement.“

UN-Generalsekretär António Guterres

Dieser Weg würde den Anstieg der Spitzentemperaturen durch sofortige und nachhaltige Senkungen der Treibhausgasemissionen – einschließlich Methan – auf dem Weg zur Netto-Null minimieren und die Temperaturen durch langfristige negative Nettoemissionen senken, wobei eine sorgfältig gesteuerte CO₂-Entfernung (CDR) – also der Prozess, bei dem Kohlenstoff aus der Luft entfernt und durch Aufforstung oder andere Maßnahmen gespeichert wird – ein wesentlicher Bestandteil des Maßnahmenpakets ist.

 

Anpassungsmaßnahmen erforderlich

Gleichzeitig würde die Verfolgung dieses Kurses Anpassungsmaßnahmen erfordern, die die Anfälligkeit gegenüber den aktuellen, erwarteten und unerwarteten Auswirkungen des Klimawandels auf Gesellschaften, Gemeinschaften und Volkswirtschaften verringern – auch wenn es wahrscheinlich Grenzen für die Anpassung und irreversible Auswirkungen geben wird, insbesondere wenn die Höchsttemperaturen nicht auf ein Minimum reduziert werden. Der Bericht betont, dass ein solcher Kurs Risiken und Auswirkungen verringern, die Anpassung weniger schwierig und kostspielig machen und die Chancen auf eine Senkung der Temperaturen erhöhen würde.

„Es gibt keine positiven Folgen, wenn wir über 1,5 °C bleiben. Weltweit zeigen extreme Hitzewellen bereits, dass die Auswirkungen des Klimawandels schneller eintreten, heftiger zuschlagen und länger anhalten werden – was mehr Menschenleben kostet und tiefgreifendere Störungen verursacht. Jetzt ist es an der Zeit, dass wir unsere Klimaschutzmaßnahmen verstärken. Wir können – und müssen – den richtigen Weg einschlagen. Indem wir die Treibhausgasemissionen senken, die Widerstandsfähigkeit stärken und Anpassungsmaßnahmen vorantreiben sowie sicherstellen, dass die Überschreitung der 1,5 °C-Grenze so gering und so kurz wie möglich ausfällt.“

Inger Andersen, Exekutivdirektorin des UNEP

 

Verheerende Auswirkungen

Selbst im optimistischsten Szenario wird der Temperaturanstieg einen Höchstwert von 1,8 °C über dem vorindustriellen Niveau erreichen und damit über dem im Pariser Abkommen festgelegten Ziel liegen, die Erwärmung auf 1,5 °C zu begrenzen. Die meisten anderen Szenarien sagen noch höhere Spitzenwerte voraus.

Ab 1,5 °C werden sich die Risiken und Auswirkungen mit jedem weiteren Bruchteil eines Grads und mit jedem Jahr verstärken. Zu den zu erwartenden Auswirkungen zählen:

verstärkte Wetterextreme,
der Verlust von Ökosystemen sowie die
Überflutung kleiner Inselentwicklungsstaaten und tief liegender Küstenstädte.

Es ist mit schwerwiegenden Schäden für die menschliche Gesundheit, die Ernährungssicherheit, die Wasserversorgung, die Natur, Städte, die Infrastruktur und die Wirtschaft zu rechnen.

 

Kipppunkte im Klimasystem

Der Bericht warnt davor, dass die Wahrscheinlichkeit, irreversible Kipppunkte zu überschreiten, mit dem Ausmaß und der Dauer erhöhter Temperaturen zunimmt.

Dazu gehören

die Destabilisierung großer Eisschilde,
die Zerstörung des Amazonas-Regenwaldes und
die Störung der atlantischen meridionalen Umwälzströmung AMOC (das Strömungssystem, das warmes Oberflächenwasser nach Norden und kaltes Tiefenwasser nach Süden transportiert und eine Schlüsselrolle bei der Regulierung des Klimas spielt).

Einige Auswirkungen könnten plötzlich eintreten, während sich andere über einen längeren Zeitraum hinweg akkumulieren werden.

Kipppunkte im Klimasystem – Wie nah wir dem unumkehrbaren Wandel wirklich sind

 

Voraussetzungen für den Erfolg

Ein starker politischer Wille und Multilateralismus, wirksame politische Maßnahmen, eine inklusive Regierungsführung sowie die Bereitstellung finanzieller Mittel sind wichtige Voraussetzungen für das Handeln – und alle Maßnahmen müssen auf Gleichheit und Gerechtigkeit beruhen. Länder, die eine größere Verantwortung für den Klimawandel tragen, sollten am schnellsten und mit den ehrgeizigsten Zielen handeln.

Der Bericht betont, dass die Netto-Null-Emissionsbilanz ein Meilenstein auf dem Weg zur Netto-Negativ-Emissionsbilanz ist, wobei CDR (Kohlendioxidentfernung) zusätzlich zu – und nicht anstelle von – nachhaltigen Reduzierungen der Treibhausgasemissionen erforderlich ist.

„Die Entfernung von Kohlendioxid (CDR) ist notwendig, aber kein Allheilmittel“

CDR bezeichnet den Prozess, bei dem Kohlendioxid aus der Atmosphäre entzogen und sicher gespeichert wird. Der Bericht räumt ein, dass selbst bei Szenarien mit dem geringsten Überschreitungspotenzial die Gesamtmenge an CDR erhöht werden muss.

CDR kann jedoch nur dann glaubwürdig dazu beitragen, die Erwärmung wieder unter 1,5 °C zu senken, wenn der Höchstwert der Erwärmung deutlich unter 2 °C bleibt und alle verbleibenden Emissionen reduziert werden. Starke regulatorische Rahmenbedingungen für CDR werden entscheidend sein, um einen verantwortungsvollen Einsatz zu ermöglichen und die Auswirkungen auf Umweltintegrität, Gerechtigkeit und Umfang zu steuern.

Dieser Bericht macht deutlich, dass ein Entwicklungspfad mit Überschreitung, Höchststand und Rückgang eine klimatische Herausforderung der nächsten Generation darstellt, die jedoch nicht einfach der nächsten Generation überlassen werden darf. Damit ein solcher Entwicklungspfad weiterhin möglich bleibt, sind sofortige Maßnahmen erforderlich.

 

Links

UNEP-Bericht „Limiting Overshoot“

El Niño: Die Welt steht vor einem außergewöhnlichen Ereignis

El Niño: Die Welt steht vor einem außergewöhnlichen Ereignis

Im tropischen Pazifik entwickelt sich derzeit ein außergewöhnlich starker El Niño. Die Weltorganisation für Meteorologie (WMO) rechnet damit, dass sich das Klimaphänomen in den kommenden Monaten weiter verstärkt und das Weltwetter bis weit ins Jahr 2027 beeinflussen könnte. Die Wahrscheinlichkeit, dass El Niño bis Februar 2027 anhält, liegt laut WMO bei nahezu 100 Prozent. Erwartet werden erhebliche Verschiebungen von Temperaturen und Niederschlägen sowie ein erhöhtes Risiko für extremes Wetter. Besonders brisant: El Niño trifft diesmal auf eine Erde und Weltmeere, die bereits deutlich wärmer sind als noch vor wenigen Jahrzehnten.

 

„El Niño nimmt vor unseren Augen immer größere Ausmaße an. Die Wissenschaft lässt keinen Zweifel daran: Der Planet befindet sich in unbekannten Gewässern, und diese Gewässer erwärmen sich. Die Meeresoberflächentemperaturen steigen, die Temperaturen klettern weiter in die Höhe, und die Welt befindet sich in der Gefahrenzone extremer Wetterereignisse. Es ist nun ein Wettlauf zwischen den wachsenden Risiken und unserem Engagement, Klimaschutzmaßnahmen zu ergreifen und die Menschen zu schützen. Diesen Wettlauf müssen wir gewinnen“

UN-Generalsekretär Antonio Guterres

Außergewöhnliche Meereswärme im tropischen Pazifik

Ausgangspunkt für das außergewöhnliche El-Niño-Phänomen sind die Meeresoberflächentemperaturen im zentral-östlichen äquatorialen Pazifik, die bereits deutlich über dem Durchschnitt liegen – eines der typischen Anzeichen für El Niño – und weiter ansteigen.

Der weit verbreitete Niño-3.4-Index, der die Anomalien der Meeresoberflächentemperatur im zentral-östlichen äquatorialen Pazifik misst, hat sich deutlich verstärkt: von durchschnittlich +1,5 °C über dem Normalwert im Zeitraum Mai bis Juli 2026 auf +2,0 °C über dem Normalwert im Juli.

Die wöchentlichen Werte stiegen anschließend zwischen Ende Juli und Mitte August weiter an und lagen zwischen etwa +2,2 °C und +2,6 °C über dem Durchschnitt, was auf eine anhaltende Verstärkung hindeutet.

 

 

Die möglichen Folgen weltweit

Südamerika
Starkregen, Überschwemmungen und Erdrutsche können vor allem an der Pazifikküste von Peru und Ecuador zunehmen.

 

Australien und Indonesien
Weniger Niederschlag kann Dürren verschärfen und die Gefahr großer Wald- und Buschbrände erhöhen.

 

Süd- und Südostasien
El Niño kann den Monsun beeinflussen. Regional drohen Trockenheit, Wasserknappheit und Ernteausfälle.

 

Afrika
In Ostafrika können außergewöhnlich starke Niederschläge und Überschwemmungen auftreten. Teile des südlichen Afrikas müssen dagegen mit trockeneren Bedingungen rechnen.

 

Nordamerika
El Niño verändert großräumige Luftströmungen und damit Sturm-, Temperatur- und Niederschlagsmuster. Im Süden der USA treten während El Niño häufig feuchtere Bedingungen auf.

 

Und Europa?

Der direkte Einfluss von El Niño auf das Wetter in Europa ist deutlich schwieriger vorherzusagen als in vielen tropischen Regionen. Die indirekten Auswirkungen könnten dennoch spürbar werden: über internationale Agrarmärkte, steigende Lebensmittelpreise, Rohstoffe und globale Lieferketten.

 

Landwirtschaft
Dürre und Starkregen können wichtige Anbauregionen gleichzeitig treffen. Betroffen sein können unter anderem Reis, Mais, Weizen, Kaffee, Kakao und Palmöl.

 

Lebensmittelpreise
Fallen Ernten in mehreren großen Produktionsregionen gleichzeitig schlechter aus, können die Auswirkungen über die Weltmärkte bis nach Europa reichen.

 

Globale Temperaturen
Ein starker El Niño kann die globale Durchschnittstemperatur vorübergehend zusätzlich erhöhen. Diesmal trifft dieser natürliche Effekt auf ein ohnehin bereits stark erwärmtes Klimasystem.

 

„Dieser außergewöhnliche El Niño erfordert außergewöhnliche Vorbereitungen und Maßnahmen. Noch nie zuvor in der 50-jährigen Geschichte der Weltorganisation für Meteorologie haben wir eine derart groß angelegte Mobilisierung gemeinsam mit den nationalen meteorologischen und hydrologischen Diensten gestartet, die an vorderster Front stehen, wenn es darum geht, Vorhersagen und Dienste bereitzustellen, um Leben und Lebensgrundlagen zu retten.“

WMO-Generalsekretärin Celeste Saulo

 

 

 

Daten & Fakten

El-Niño-Ereignisse treten typischerweise etwa alle zwei bis sieben Jahre auf.
Sie dauern häufig neun bis zwölf Monate, können aber auch länger bestehen bleiben.
Im tropischen Pazifik wurden zuletzt außergewöhnlich hohe Temperaturabweichungen gemessen.
Auch unterhalb der Meeresoberfläche befinden sich enorme Mengen ungewöhnlich warmen Wassers.
Die WMO erwartet eine weitere Verstärkung in den kommenden Monaten.
Die Wahrscheinlichkeit, dass El Niño bis Februar 2027 anhält, liegt laut WMO bei nahezu 100 Prozent.
Ein sehr starker El Niño kann die globale Durchschnittstemperatur zusätzlich nach oben treiben.

 

Ein natürliches Phänomen unter neuen Bedingungen

El Niño ist keine Folge des Klimawandels. Das natürliche Klimaphänomen hat es schon lange vor der Industrialisierung gegeben. Doch die Ausgangslage hat sich verändert. Die globale Durchschnittstemperatur liegt heute deutlich höher, die Weltmeere speichern enorme zusätzliche Wärmemengen und viele Regionen kämpfen bereits mit zunehmenden Wetterextremen. Ein außergewöhnlich starker El Niño trifft damit auf ein Klimasystem, das bereits unter erheblichem Stress steht.

 

Unser pro.earth.Fazit:

Was sich derzeit im tropischen Pazifik entwickelt, könnte weit über diese Region hinaus Folgen haben. Hitze und Dürre auf der einen, Starkregen und Überschwemmungen auf der anderen Seite. Dazu kommen mögliche Ernteausfälle, steigende Lebensmittelpreise und ein zusätzlicher Schub für die globale Temperatur.

El Niño zeigt damit einmal mehr, wie eng das Klimasystem unseres Planeten verbunden ist – und warum einige Grad mehr oder weniger im Pazifik Auswirkungen auf das Wetter rund um die Welt haben können.

 

Link

WMO El Niño Update

Auszeichnung für innovative Pionierarbeit und Kämpferin für Klimagerechtigkeit

Auszeichnung für innovative Pionierarbeit und Kämpferin für Klimagerechtigkeit

Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) vergibt dieses Jahr den Deutschen Umweltpreis in Höhe von insgesamt 500.000 Euro an die Hamburger Umweltjuristin Dr. Roda Verheyen und Membranfilter-Ingenieur Dr. Klaus Vossenkaul, Gründer und Geschäftsführer der Firma Membion. Überreicht wird die Ehrung, die zu den höchstdotierten Umweltauszeichnungen Europas zählt, von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier am Sonntag, 25. Oktober, beim Festakt in Aachen.

Betroffenen des Klimawandels eine Stimme gegeben

Verheyen und Vossenkaul leisten laut DBU-Generalsekretär Alexander Bonde „innovative Pionierarbeit und bringen den Umweltschutz voran“. Verheyen setze sich „seit Jahren für Klimagerechtigkeit“ ein. Bonde: „Sie gibt Betroffenen des Klimawandels eine Stimme.“ Vossenkaul wiederum habe als Unternehmer „mit Mut, Beharrlichkeit und Innovationskraft Lösungen gefunden, um die lebenswichtige Ressource Wasser besser zu schützen“. Ihm sei „ein ganz wichtiger Schritt in der Abwasserreinigung gelungen“. Als Mitgründer früherer Firmen bringe er zudem „umfangreiche Expertise“ mit.

 

Membranfilter-Betrieb Membion startete als Garagenfirma

Vossenkauls Betrieb mit heute 40 Mitarbeitenden ist buchstäblich 2012 als Garagenfirma entstanden. Sitz ist bis heute ein altes Haus in Roetgen mit einer kleinen Halle, das früher eine Weberei war. In den ersten Jahren kümmerten sich allein Vossenkaul und sein Mitstreiter, Verfahrenstechnik-Ingenieur Dirk Volmering, ausschließlich um die Weiterentwicklung der Membranbioreaktoren(MBR)-Technologie.

 

Membranfilter-Ingenieur Dr. Klaus Vossenkaul in der Produktionshalle seiner Firma Membion in Roetgen bei Aachen. Er erhält 2026 den Deutschen Umweltpreis der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU). Foto ©️Klaus Jongebloed/DBU

 

Das Ergebnis könnte die Abwasserreinigung revolutionieren

MBR-Technologie ist ein energieeffizientes und platzsparendes Reinigungssystem mit Hohlfasermembranfiltern – dünne Röhrchen, die beim Einsatz in Kläranlagen aus dem Klärschlamm kristallklares Wasser filtrieren. Sie sehen aus wie Spaghetti, sind hohl wie Makkaroni und etwa 1,60 Meter lang.

Feine Poren filtern problematische Stoffe wie Mikroplastik, Krankheitserreger und multiresistente Keime aus dem Abwasser heraus. Membranfilter-Technologie sorgte zwar bisher schon für mannigfach bessere Wasserqualität als konventionelle Abwasserreinigung.

Der Haken aber: Unter anderem zu hoher Energieverbrauch für die Spülung der Membranen zum Vermeiden von Schlamm-Verstopfung hielt viele Kläranlagenbetreiber von einer Installation ab. Vossenkaul verbesserte die den klassischen Kläranlagen technisch und ökologisch bereits überlegene Membranfiltertechnologie derart, dass sie nun auch kostenmäßig konkurrenzfähig ist.

 

„Das ist GreenTech made in Germany und hat das Zeug zum Exportschlager“

„Das ist GreenTech made in Germany und hat das Zeug zum Exportschlager“, sagt DBU-Generalsekretär Bonde. Tatsächlich wird Membion-Technologie bereits in der Industrie eingesetzt, unter anderem beim weltgrößten Pommes-Produzenten McCain. Und: Sie ist Herzstück von Deutschlands größter Membran-Kläranlage, die derzeit in Wolfsburg-Stahlberg entsteht.

 

Ab 2027 vierte Reinigungsstufe gegen Mikroplastik notwendig

Von den bundesweit rund 8700 Kläranlagen stehen Hunderte vor einem solchen Umbruch: Die Kommunalabwasser-Richtlinie (KARL) der EU verlangt bis Ende Juli 2027 für Anlagen ab bestimmter Größe oder in Risikogebieten eine zusätzliche vierte Reinigungsstufe gegen Mikroschadstoffe.

Vossenkaul sieht sich dafür gerüstet: mit einer vollautomatisierten Membranproduktion und durch ein Modulsystem. Verschiedene Elemente lassen sich leicht ineinanderstecken. Mehr als 1600 „Makkaroni“-Membranen sind in einem Fußelement verankert und schweben frei wie Seegras in geschlossenen mannshohen Gehäusen, die im Schlamm der Kläranlage eingetaucht sind.

In Wolfsburg werden künftig 3000 solcher Fußelemente eingesetzt. Die Spülung der Membranen erfolgt sekundenschnell in einem Luftschwall durch den „JetSplash“ (Wasserspritzer), eines von Vossenkauls 28 Patenten. Das von den Kläranlagen abfließende kristallklare Wasser schont Oberflächengewässer wie Flüsse, Seen und Talsperren und ist geeignet etwa für Bewässerung in der Landwirtschaft. Das wiederum schont Grundwasser, aus dem Trinkwasser gewonnen wird – zunehmend bedeutend wegen Extremwetters mit Dürre und Hitze infolge des Klimawandels.

Hier geht es zu einem detaillierteren Portrait des Preisträgers

 

Verheyens konsequenter Einsatz für die Durchsetzung rechtlicher Vorgaben zum Umwelt- und Klimaschutz

Verheyen wiederum engagiert sich seit mehr als zwei Jahrzehnten nach Bondes Worten mit großer Kraft dafür, rechtliche Vorgaben zum Schutz von Klima und Umwelt durchzusetzen. Die Hamburger Umweltjuristin wende abstrakte Regeln aus nationalem und internationalem Recht auf konkrete Fälle an „und macht sie so wirksam. Sie verschafft Menschen Gehör, die von Klimafolgen betroffen sind.“ Und sie trage dazu bei, auch die Rechte künftiger Generationen zu wahren. Bonde: „Sie hat entscheidend mitgeholfen, dass Gerichte Umwelt- und Klimaaspekte angemessen berücksichtigen können.“ Die „hervorragende Kommunikatorin“ vermittle komplexe Sachverhalte einer breiten Öffentlichkeit.

Die designierte Preisträgerin des Deutschen Umweltpreises der DBU im Jahr 2026, die Hamburger Umweltjuristin Dr. Roda Verheyen, vor dem Hanseatischen Oberlandesgericht. Foto ©️ Kathrin Pohlmann/DBU

 

„Wichtiger Beitrag für langfristigen Klima- und Umweltschutz“

Die Umweltjuristin kam 1972 in Düsseldorf zur Welt und wuchs in Hamburg auf, wo sie wie auch in London und Oslo Jura studierte. Als Anwältin beschäftigte sie sich seit jeher mit Fragen, die aus Klimawandel und Änderungen in der Umwelt resultieren. Verheyen sieht sich als „Möglichmacherin“, die angesichts der Klimakrise die Handlungsfähigkeit des Staates stärkt. Dafür nutzt sie die ganze Bandbreite juristischer Handlungsmöglichkeiten. So tritt sie als Sachverständige auf, erarbeitet Gesetzesinitiativen, berät Politik und Zivilgesellschaft und verfasst wegweisende Klagen. Ihre juristisch stichhaltige Argumentation liefere „einen wichtigen Beitrag für langfristigen Klima- und Umweltschutz“, sagt DBU-Generalsekretär Bonde.

 

Hier geht es zu einem detaillierteren Portrait der Preisträgerin

 

Er ist wieder da! Mit dem Heckentag heimische Vielfalt sichern

Er ist wieder da! Mit dem Heckentag heimische Vielfalt sichern

Wie jedes Jahr seit Beginn der Initiative freuen wir #Beetschwestern uns auf den jährlich wiederkehrenden Heckentag. Jedes Jahr kommen neue Gehölze dazu. Wir können Gehölze zu günstigen Preisen beziehen und einen wichtigen Beitrag zum Erhalt und Schutz selten gewordener heimischer Pflanzenarten bei. Wozu heimische Gehölze fähig sind und wie sie den eigenen Garten bereichern können, zeigt das Heckentags-Angebot: Ob Jahreszeitenanzeige, Bienenweide, Fruchtparadies, Sichtschutz, Blütenzauber oder Vogelquartier. Heute am 1. September startet die Online-Bestellmöglichkeit!

 

Ins Leben gerufen wurde der Heckentag vom Verein Regionale Gehölzvermehrung (RGV), um die Biodiversität zu fördern und für heimische Tiere und Pflanzen langfristig einen intakten Lebensraum zu erhalten.

 

Klima-Hecke: Naturjahr-Kalender im eigenen Garten

Den Klimawandel scannen vor der eigenen Haustür? Die Klima-Hecke machts möglich! Ursprünglich als „10-Jahreszeitenhecke“ aus der Taufe gehoben, pflanzen sich immer mehr Heckenfans diesen genialen Naturkalender in ihren Garten: „Die Klima-Hecke besteht aus zehn Gehölzarten, die wie hochempfindliche Messinstrumente genauestens den Wechsel der natürlichen Jahreszeiten anzeigen“, erklärt Klaus Wanninger, Heckenexperte im Verein Regionale Gehölzvermehrung (RGV).

Das Naturjahr kennt dabei zehn statt vier Jahreszeiten, die durch Naturphänomene wie Blattaustrieb, Blühbeginn oder Fruchtreife eingeläutet werden. Es beginnt beispielsweise mit der Blüte der Sal-Weide – und wenn die Früchte des Schwarzen Hollers reif werden, weiß man, es ist Frühherbst. „Anhand dieses genialen und lebendigen Naturbeobachtungswerkzeugs können die regionalen Naturentwicklungen ganz einfach von Groß und Klein mitbeobachtet werden“, so Wanninger.

Spindelstrauch Frucht ©️RGV L. Andres

Naturjahre werden länger – die eigene Hecke als Klimawandel-Sensor

Der „Kalender, den die Natur schreibt“ unterscheidet sich dabei von Jahr zu Jahr und von Gegend zu Gegend. Die besonderen Gehölze zeigen sehr präzise, wie sich die jährlich wiederkehrenden Entwicklungserscheinungen verändern und sich der Klimawandel vor der eigenen Haustür auswirkt: „Wer das Datum des Eintritts der jeweiligen Phänomene an den Gehölzen mitnotiert, kann leicht erkennen, wie unterschiedlich diese über die Jahre sind und wie sich Witterung und Klima wandeln. So wird der eigene Garten mit einer Klima-Hecke zur individuellen Forschungsstation für die lokale Klima- und Naturentwicklung“, sagt Wanninger.

In den vergangenen 100 Jahren hat sich die Jahresmitteltemperatur im Ostalpenraum um über 2 Grad Celsius erhöht – das ist etwa doppelt so viel wie im globalen Durchschnitt. Das wirkt sich auch im Jahresrhythmus der hiesigen Pflanzenwelt aus: Der Frühling zieht heute mit dem Beginn der Blüte oder des Laubaustriebs bereits um zehn Tage früher ins Land als noch vor 30 Jahren. Die Herbstfärbung des Laubes hingegen hat sich in manchen Regionen um mehrere Tage nach hinten verschoben. „Insgesamt ist es zu einer Verlängerung der Vegetationsperiode um mehr als zwei Wochen gekommen“, so der RGV-Experte.

 

„Die Heckentags-Pflanzen sind dafür bekannt, widerstandsfähig und kräftig zu sein. Das Geheimnis liegt in ihrer regionalen Abstammung, denn von der Besammlung bis zur Aufzucht und Auspflanzung setzen wir auf die ganze Kraft der natürlichen genetischen Vielfalt unserer Regionen. Als Nachkommen wild wachsender Mutterbestände sind diese Gehölze garantiert in Kärnten zu Hause, bestens an lokale Böden und Klimabedingungen angepasst und für die jeweiligen Gegenden typisch.“

RGV-Obmann Andreas Patschka

Heckenkirsche ©️ RGV – A. Schocher

Übergabe der Gehölze am Heckentag 2026

Die Übergabe der einpflanzbereiten Gehölze erfolgt am diesjährigen Heckentag an mehreren Standorten, die man auf der Website findet. Für Naturfreund:innen und Gartenprofis also der perfekte Rahmen, um sich mit Gleichgesinnten auszutauschen und ihr Wissen zur beeindruckenden Vielfalt der heimischen Pflanzenwelt weiter zu vertiefen.

Informationen zum diesjährigen Sortiment, den nächstgelegenen Abholstandorten sowie alle Bestelloptionen gibt es auf der Website unter www.heckentag.at.

Größe der Pflanzen ©️ RGV – A. Schocher

 

Alle wichtigen Daten auf einen Blick:

Bestellfrist: NÖ, W, B: 1. September – 15.Oktober 2026 und Kärnten: 1.September – 31. Oktober 2026
Abholung NÖ, W, B: 7. November 2026 von 9 bis 13 Uhr
Abholung Kärnten: 14. November 2026 von 9 bis 14 Uhr
Lieferung (nur NÖ, W, B): Anfang bis Mitte November
Weitere Infos und Bestelloptionen unter www.heckentag.at

Macht mit, helft seltenen Pflanzen zu überleben und fördert Vielfalt in euren Gärten!

Erntebilanz 2026: Trockenheit und Hitze führen zu Rückgängen

Erntebilanz 2026: Trockenheit und Hitze führen zu Rückgängen

Der Deutsche Bauernverband (DBV) rechnet in seiner Erntebilanz 2026 insgesamt mit einer unterdurchschnittlichen Getreideernte von 41,9 Mio. Tonnen. Das sind 7 Prozent weniger als im Vorjahr (2025: 45,2 Mio. Tonnen). Der Ertrag über alle Getreidearten liegt mit 68,9 dt/ha um 9 Prozent unter dem Vorjahr. Prägend waren ein zu trockenes Frühjahr und eine Hitzewelle in der zweiten Junihälfte während der Kornfüllungsphase, die vielerorts zu Notreife führte. 

„Die diesjährige Ernte ist von enormen regionalen Unterschieden geprägt, mit einem starken Nord-Süd-Gefälle. Insbesondere in Süd- und Westdeutschland haben fehlende Niederschläge zu schwachen Erträgen bis hin zu Missernten bei einzelnen Kulturen geführt“, bewertet Bauernpräsident Joachim Rukwied die diesjährige Ernte.

Beim Winterweizen, der mit rund 2,9 Mio. Hektar wichtigsten Kultur, liegt die Erntemenge lediglich bei 20,9 Mio. Tonnen und damit 7 Prozent unter dem Vorjahr. Der Ertrag pro Hektar sank sogar um 9 Prozent auf 72,1 dt/ha. Bei den Qualitäten zeigt sich ein uneinheitliches Bild.

Am stärksten hat es den Winterraps mit einem Ertragseinbruch von 20 Prozent auf 29,1 dt/ha getroffen. In Summe wurden nur 3,3 Mio. Tonnen geerntet. Neben Hitze und Trockenheit machten hoher Schädlingsdruck und die fehlende Verfügbarkeit wirksamer Mittel gegen Erdfloh und Kohlschotenmücke den Beständen zu schaffen.

„Ein zu trockenes Frühjahr und dann Hitze und anhaltende Trockenheit haben viele Bestände erheblich geschädigt. Der Standort hat in diesem Jahr über den Ertrag entschieden wie selten zuvor.“

Präsident des Deutschen Bauernverbandes, Joachim Rukwied

Die Wintergerste hält mit 9,5 Mio. Tonnen das Vorjahresniveau, da die um 4 Prozent auf 75,6 dt/ha gesunkenen Erträge durch eine größere Fläche ausgeglichen wurden. Sie war vor der Hitze weitgehend ausgereift und konnte früh gedroschen werden.

Bei Kartoffeln zeichnet sich ein mittleres bis unterdurchschnittliches Ergebnis ab, selbst auf beregneten Flächen sind kaum durchschnittliche Erträge zu erwarten. Bei Zuckerrüben sieht es regional deutlich schlechter aus. Zusätzlich breitet sich die Schilf-Glasflügelzikade bundesweit weiter aus.

Insgesamt trifft das schwache Ernteergebnis eine wirtschaftlich prekäre Zeit. Die deutlich niedrigeren Erträge in Verbindung mit den niedrigen Erzeugerpreisen auf der einen Seite, und den hohen Kosten für Betriebsmittel, wie zum Beispiel Diesel, Pflanzenschutz- und Düngemittel auf der anderen Seite, belasten die Liquidität vieler Betriebe enorm. Nicht wenige brauchen Sonder- oder Zwischenfinanzierungen zur Sicherung der Liquidität und zum Fortbestand des Betriebes.

 

Forderung einen „Sofortpakets“

Angesichts der angespannten wirtschaftlichen Situation fordert Bauernpräsident Rukwied die Bundesregierung auf, ein „Sofortpaket“ zum Erhalt der Liquidität auf den Weg zu bringen. Dies soll folgendes enthalten:

Das Düngemittelhilfspaket auf 180 Mio. Euro aufzustocken und über die Berufsgenossenschaft unbürokratisch und zügig auszahlen zu lassen
80 Prozent der Direktzahlungen bereits im Oktober auszuzahlen und die restlichen 20 Prozent garantiert im Dezember
eine sofortige Reduktion der Steuer auf Diesel

„Unsere Betriebe brauchen aktuell Saatgut und Diesel, später Dünge- und Pflanzenschutzmittel. Ohne die notwendige Liquidität sind sie nicht in der Lage die nächste Ernte zu finanzieren“, so Rukwied.

 

Große Herausforderung für Tierhalter:innen

Vor großen Herausforderungen stehen auch die Tierhalter:innen mit Blick auf die Futterversorgung. In vielen Regionen sind die Erträge beim Grünland deutlich eingebrochen und vor allem auch beim Silomais sind erhebliche Ertragsausfälle sichtbar. In besonders betroffenen Regionen ist nach den ersten Schnitten kein Gras auf dem Grünland mehr nachgewachsen, was sowohl bei der aktuellen Versorgung der Tiere als auch beim Aufbau ausreichender Winterfuttervorräte fehlt. Trotz regionaler Futterbörsen ist damit zu rechnen, dass dies zum Abbau einiger Tierbestände führen wird.

Die Ernteschätzung 2026 des Deutschen Bauernverbandes basiert auf Meldungen der Landesbauernverbände beziehungsweise auf langjährigen Mittelwerten des Statistischen Bundesamtes und des DBV.

Folge 21: Nationalpark Hohe Tauern – Gletscher, Wasserfälle und alpine Wildnis im Herzen Österreichs

Folge 21: Nationalpark Hohe Tauern – Gletscher, Wasserfälle und alpine Wildnis im Herzen Österreichs

Wo die Alpen noch groß und wild sein dürfen

Es gibt Landschaften, die uns daran erinnern, wie klein der Mensch eigentlich ist. Die Hohen Tauern gehören dazu. Mächtige Dreitausender, Gletscher, tosende Wasserfälle, stille Bergseen und jahrhundertealte Kulturlandschaften bilden eine alpine Welt, die zu den beeindruckendsten Naturräumen Europas zählt.

Der Nationalpark Hohe Tauern erstreckt sich über Teile von Salzburg, Tirol und Kärnten und umfasst rund 1.856 Quadratkilometer. Damit ist er der größte Nationalpark Österreichs und der größte Schutzraum der Alpen.Doch seine Bedeutung reicht weit über seine Größe hinaus. Hier treffen weitgehend ursprüngliche Hochgebirgslandschaften auf traditionelle Almwirtschaft. Steinadler kreisen über den Tälern, Bartgeier ziehen wieder ihre Bahnen und mit etwas Glück lassen sich Steinböcke oder Murmeltiere beobachten.

Gleichzeitig wird gerade in dieser Region sichtbar, wie stark sich die Alpen verändern. Die Gletscher ziehen sich zurück, Permafrost taut auf und Extremwetter stellt Natur und Menschen vor neue Herausforderungen. Ein nachhaltiger Besuch der Hohen Tauern ist deshalb mehr als ein schöner Urlaub. Er ermöglicht einen Blick auf eine Landschaft, deren Zukunft eng mit unserem Umgang mit dem Klima verbunden ist.

 

Anreise & Mobilität – die Alpen ohne Auto entdecken

Eine Reise in die Hohen Tauern muss nicht zwangsläufig mit dem eigenen Auto beginnen. Mehrere Regionen rund um den Nationalpark sind mit der Bahn erreichbar.

Bahnhöfe wie Mallnitz-Obervellach, Mittersill oder Zell am See dienen als Ausgangspunkte für die Weiterreise. Regionale Busse, Wanderbusse und Shuttles bringen Gäste anschließend zu Tälern, Seilbahnen und Wandergebieten.

Gerade für Wanderer bietet das Vorteile: Touren müssen nicht immer am selben Ort enden, an dem sie begonnen haben.

In verschiedenen Nationalparkregionen wurden Mobilitätsangebote geschaffen, die Urlaub ohne eigenes Fahrzeug erleichtern. Gästekarten, Wanderbusse und öffentliche Verkehrsmittel werden zunehmend miteinander kombiniert.

Das ist nicht nur klimafreundlicher. Wer mit Bahn und Bus reist, erlebt die Region häufig intensiver. Statt sich auf Parkplatzsuche und Straßenverkehr zu konzentrieren, beginnt die Entschleunigung bereits bei der Anreise.

 

Der Großglockner – Österreichs höchster Berg

Mit 3.798 Metern erhebt sich der Großglockner über die umliegende Bergwelt. Er ist nicht nur Österreichs höchster Gipfel, sondern eines der bekanntesten Wahrzeichen des Landes.

Doch die Landschaft rund um den Großglockner erzählt inzwischen auch eine andere Geschichte.

Die Pasterze, Österreichs größter Gletscher, hat sich über Jahrzehnte deutlich zurückgezogen. Wo früher mächtige Eismassen lagen, werden Felsen und neue Landschaftsformen sichtbar.

Der Wandel ist für Besucher unmittelbar erkennbar.

Damit wird der Gletscher zu einem sichtbaren Symbol für eine Entwicklung, die sich in vielen Hochgebirgsregionen der Erde vollzieht. Der Klimawandel ist hier keine abstrakte Statistik. Er verändert die Landschaft vor unseren Augen.

 

Wasser – die Lebensader der Hohen Tauern

Kaum eine andere Alpenregion ist so stark vom Wasser geprägt.

Schnee und Gletscher speisen unzählige Bäche und Flüsse. Bergseen liegen wie kleine Spiegel zwischen den Gipfeln, während Wasserfälle über mächtige Felswände in die Täler stürzen.

Zu den bekanntesten Naturerscheinungen gehören die Krimmler Wasserfälle. Über mehrere Stufen fällt das Wasser insgesamt rund 380 Meter in die Tiefe.

Doch abseits der bekannten Sehenswürdigkeiten finden sich zahlreiche kleinere Wasserfälle, Gebirgsbäche und Feuchtgebiete.

Diese Lebensräume sind ökologisch besonders wertvoll. Sie versorgen Pflanzen und Tiere mit Wasser und prägen gleichzeitig ganze Täler.

Der Schutz natürlicher Gewässer gehört deshalb zu den zentralen Aufgaben des Nationalparks.

 

Aktivitäten – zu Fuß in eine andere Welt

Die vielleicht schönste Art, die Hohen Tauern kennenzulernen, ist das Wandern.

Hunderte Kilometer Wanderwege führen durch Täler, über Almen und hinauf in die Hochgebirgsregionen. Dabei muss es keineswegs immer eine anspruchsvolle Gipfeltour sein.

Schon einfache Wanderungen ermöglichen eindrucksvolle Naturerlebnisse.

Besonders empfehlenswert sind:

geführte Touren mit Nationalpark-Rangerinnen und -Rangern
Wanderungen zu Bergseen und Wasserfällen
Wildtierbeobachtungen
mehrtägige Touren von Hütte zu Hütte
Themenwege zu Gletschern, Geologie und alpiner Pflanzenwelt
Besuche der Nationalparkzentren und Informationsstellen

Geführte Ranger-Touren haben einen besonderen Wert. Sie machen Dinge sichtbar, an denen man alleine vielleicht vorbeigehen würde: Spuren von Wildtieren, seltene Pflanzen oder geologische Besonderheiten.

Aus einer Wanderung wird dadurch eine Begegnung mit einem komplexen Ökosystem.

 

Wildtiere – Rückkehr der großen Alpenbewohner

Die Hohen Tauern bieten Lebensraum für eine außergewöhnliche alpine Tierwelt.

Steinböcke bewegen sich scheinbar mühelos über steile Felsen. Murmeltiere warnen ihre Artgenossen mit schrillen Pfiffen. Hoch über den Tälern kreisen Steinadler.

Besonders bemerkenswert ist die Rückkehr des Bartgeiers.

Der imposante Greifvogel war im Alpenraum einst ausgerottet. Internationale Wiederansiedlungsprogramme haben dazu beigetragen, dass Bartgeier heute wieder über den Alpen fliegen.

Solche Erfolge zeigen, dass konsequenter Naturschutz tatsächlich Wirkung entfalten kann.

Gleichzeitig braucht diese Tierwelt Rückzugsräume. Besucherlenkung ist deshalb ein wesentlicher Bestandteil des Nationalparkkonzepts. Wer auf markierten Wegen bleibt und Ruhezonen respektiert, trägt unmittelbar zum Schutz dieser Tiere bei.

 

Übernachten – Berghütten, Bauernhöfe und regionale Gastgeber

Rund um den Nationalpark finden sich zahlreiche familiengeführte Hotels, Pensionen, Ferienwohnungen und Bauernhöfe.

Eine besondere Rolle spielen die Berghütten.

Sie ermöglichen mehrtägige Wanderungen und bieten gleichzeitig einen direkten Zugang zur Hochgebirgswelt. Viele Hütten beschäftigen sich zunehmend mit Energieversorgung, Abwasser, Müllvermeidung und regionaler Lebensmittelversorgung.

Denn Nachhaltigkeit ist in großer Höhe eine besondere Herausforderung. Alles, was auf einen Berg transportiert wird, benötigt Energie und Infrastruktur.

Gerade deshalb gilt auf Berghütten ein einfacher Grundsatz: Weniger Verbrauch bedeutet weniger Belastung.

Auch Urlaub auf dem Bauernhof bietet eine interessante Möglichkeit, die Region kennenzulernen. Gäste erleben dabei unmittelbar, wie Landwirtschaft in alpinen Regionen funktioniert und warum bewirtschaftete Almen einen wichtigen Teil der Kulturlandschaft darstellen.

 

Kulinarik – wenn die Alm auf den Teller kommt

Die Küche rund um die Hohen Tauern ist stark von der Landwirtschaft der Bergregionen geprägt.

Milch, Butter und Käse von den Almen, Brot aus regionalem Getreide, Kartoffeln, Kräuter, Wild und Fleisch aus heimischer Landwirtschaft bilden die Grundlage vieler traditioneller Gerichte.

Kaspressknödel, Krapfen, regionale Käsesorten oder einfache Brettljausen erzählen dabei auch etwas über die Geschichte der Region.

Früher musste verwendet werden, was vor Ort verfügbar war. Lebensmittel wurden haltbar gemacht, Wege waren kurz und Verschwendung konnte man sich kaum leisten.

Was heute unter Begriffen wie Regionalität oder Kreislaufwirtschaft diskutiert wird, war in den Bergregionen über Jahrhunderte schlicht notwendig.

Viele Gasthäuser und Hütten greifen diese Tradition wieder bewusst auf und arbeiten verstärkt mit Produzenten aus der unmittelbaren Umgebung zusammen.

 

Nachhaltigkeitsfaktor – Schutzgebiet und Lebensraum zugleich

Die besondere Herausforderung des Nationalparks Hohe Tauern besteht darin, Wildnis und Kulturlandschaft miteinander zu verbinden.

In den Kernzonen soll sich Natur möglichst unbeeinflusst entwickeln können. Gleichzeitig gehören bewirtschaftete Almen seit Jahrhunderten zum Erscheinungsbild der Region.

Nachhaltigkeit bedeutet deshalb nicht, Menschen vollständig aus der Landschaft auszuschließen.

Vielmehr geht es darum, unterschiedliche Interessen miteinander zu verbinden: Naturschutz, Landwirtschaft, Tourismus, Forschung und regionale Wirtschaft.

Der Nationalpark übernimmt dabei auch eine wichtige wissenschaftliche Funktion. Veränderungen von Gletschern, Pflanzenwelt, Tierpopulationen und Ökosystemen werden langfristig beobachtet.

Dadurch entsteht wertvolles Wissen darüber, wie sich der Klimawandel auf den Alpenraum auswirkt.

 

Wenn die Gletscher verschwinden

Kaum ein Thema wird die Zukunft der Hohen Tauern stärker prägen als der Rückgang der Gletscher.

Gletscher sind nicht nur eindrucksvolle Landschaftselemente. Sie speichern Wasser, beeinflussen Flusssysteme und prägen das Mikroklima des Hochgebirges.

Mit ihrem Rückzug verändert sich ein gesamtes Ökosystem.

Neue Flächen werden eisfrei, Pflanzen besiedeln langsam ehemalige Gletscherböden und Wasserläufe verändern sich. Gleichzeitig kann auftauender Permafrost Felsbereiche destabilisieren.

Für den Tourismus bedeutet das ebenfalls Anpassung. Wege müssen verändert, alpine Infrastruktur überprüft und traditionelle Angebote neu gedacht werden.

Gerade deshalb könnte der Nationalpark künftig noch stärker zu einem Ort werden, an dem Menschen nicht nur Natur erleben, sondern die Folgen des Klimawandels verstehen können.

 

Conclusio – Eine Landschaft, die uns etwas zu sagen hat

Der Nationalpark Hohe Tauern gehört zu den großen Naturschätzen Europas. Seine Gipfel, Gletscher, Wasserfälle und Täler vermitteln eine Vorstellung davon, welche Kraft alpine Landschaften besitzen.

Doch gerade hier wird auch sichtbar, wie verletzlich diese scheinbar mächtige Natur ist.

Nachhaltig zu reisen bedeutet deshalb in den Hohen Tauern vor allem Respekt: mit öffentlichen Verkehrsmitteln anzureisen, regionale Betriebe zu unterstützen, auf den vorgesehenen Wegen zu bleiben und der Tierwelt ihre Rückzugsräume zu lassen.

Wer sich darauf einlässt, bekommt etwas zurück, das in unserer immer schnelleren Welt selten geworden ist: Weite, Stille und das Gefühl, Teil einer Landschaft zu sein, die viel größer ist als wir selbst.

Und vielleicht ist genau das eine der wichtigsten Erfahrungen nachhaltigen Reisens: Natur nicht als Kulisse zu betrachten, sondern als Lebensraum, den wir für kommende Generationen bewahren müssen.

 

Mehr Informationen: https://hohetauern.at/de/

 

Nächste Folge: Bayerisches Seenland – Tegernsee, Schliersee und Spitzingsee zwischen Bergpanorama, regionaler Kultur und nachhaltigem Tourismus

Gletscherschmelze weltweit: Wenn das Eis verschwindet, verändern sich ganze Regionen

Gletscherschmelze weltweit: Wenn das Eis verschwindet, verändern sich ganze Regionen

Die Bilder aus dem Himalaya zeigen derzeit auf dramatische Weise, welche Kräfte in Hochgebirgsregionen entstehen können. Nach bisherigen Erkenntnissen löste am 26. August ein massiver Kollaps von Eis und Gestein im Grenzgebiet zwischen Nepal und Tibet eine verheerende Flut- und Geröllwelle aus.

Noch wird wissenschaftlich untersucht, welche Faktoren genau zum Zusammenbruch geführt haben. Ein direkter Zusammenhang dieses einzelnen Ereignisses mit dem Klimawandel lässt sich derzeit nicht eindeutig feststellen.

Der langfristige Trend dagegen ist eindeutig: Gletscher verlieren weltweit massiv an Eis – und das verändert nicht nur die Landschaft, sondern zunehmend auch Wasserhaushalt, Naturgefahren und Lebensräume.

 

Gletscher verlieren weltweit an Masse

Nach Daten der Weltorganisation für Meteorologie haben die beobachteten Gletscher im hydrologischen Jahr 2023/2024 rund 450 Milliarden Tonnen Eis verloren.

Das entspricht etwa 1,2 Millimetern globalem Meeresspiegelanstieg innerhalb eines einzigen Jahres.

Besonders bemerkenswert: 2024 war bereits das dritte Jahr in Folge, in dem alle 19 weltweit beobachteten Gletscherregionen einen Nettoverlust an Eis verzeichneten.

Auch 2024/2025 setzte sich die Entwicklung fort. Die WMO zählt dieses Gletscherjahr zu den fünf verlustreichsten seit Beginn der Aufzeichnungen 1950. Acht der zehn Jahre mit den größten beobachteten Eisverlusten liegen mittlerweile seit 2016.

 

Vom Himalaya bis zu den Alpen

Die Entwicklung betrifft praktisch alle großen Gebirgsregionen der Erde.

Besonders sichtbar ist sie im Himalaya. Die Gletscher des Hindu Kush Himalaya verloren zwischen 2011 und 2020 rund 65 Prozent schneller Eis als im Jahrzehnt davor. Nepal hat innerhalb von rund drei Jahrzehnten nahezu ein Drittel seines Gletschereises verloren.

Auch die europäischen Alpen gehören zu den Regionen mit besonders starkem Gletscherschwund. Steigende Temperaturen, geringere Schneebedeckung und längere Schmelzperioden lassen die Eisflächen zunehmend zurückgehen.

In den Anden ist die Situation ebenfalls kritisch. Dort erfüllen Gletscher zusätzlich eine wichtige Funktion als natürliche Wasserspeicher. Ihr Rückgang kann langfristig die Wasserversorgung von Städten, Landwirtschaft und Ökosystemen beeinträchtigen.

 

Wenn aus Eis Wasser wird

Schmelzende Gletscher haben zunächst einen scheinbar paradoxen Effekt: Durch die stärkere Schmelze kann vorübergehend mehr Wasser zur Verfügung stehen. Doch dieser Effekt hält nicht dauerhaft an.

Wird ein Gletscher immer kleiner, nimmt irgendwann auch die Menge des verfügbaren Schmelzwassers ab. Für Regionen, deren Flüsse während trockener Monate wesentlich von Gletschern gespeist werden, kann das langfristig erhebliche Folgen haben.

Besonders relevant ist das in Teilen Asiens und Südamerikas. Dort sind Millionen Menschen direkt oder indirekt von Wasser aus Hochgebirgsregionen abhängig.

 

Neue Gefahren entstehen

Der Rückzug der Gletscher verändert gleichzeitig die Stabilität der Gebirge.

Wo Eis verschwindet und Permafrost auftaut, können zuvor stabilisierte Felsmassen instabil werden. Gleichzeitig entstehen hinter zurückweichenden Gletschern immer häufiger Seen.

Brechen natürliche Dämme solcher Gletscherseen, können innerhalb kurzer Zeit enorme Wassermengen ins Tal stürzen. Solche sogenannten Gletschersee-Ausbruchsfluten können Siedlungen, Straßen, Brücken und Kraftwerke zerstören.

Mehr als 12.000 Todesfälle wurden weltweit bereits mit solchen Fluten in Verbindung gebracht.

Allein Nepal besitzt mehr als 2.000 Gletscherseen. 21 davon gelten als potenziell gefährlich.

Die aktuelle Katastrophe im Himalaya zeigt allerdings auch, dass die Gefahr nicht ausschließlich von Gletscherseen ausgeht. Auch der Kollaps großer Eis- und Felsmassen kann eine Kettenreaktion auslösen: Lawine, Geröllstrom, aufgestauter Fluss – und schließlich eine massive Flutwelle.

 

Daten & Fakten

• Rund 450 Milliarden Tonnen Gletschereis gingen 2023/2024 weltweit verloren.

• Das entsprach etwa 1,2 Millimetern globalem Meeresspiegelanstieg.

• 2024 war das dritte Jahr in Folge, in dem alle 19 beobachteten Gletscherregionen weltweit Eis verloren.

• Acht der zehn Jahre mit den stärksten Gletscherverlusten seit Beginn der Messreihe 1950 liegen seit 2016.

• Die Gletscher des Hindu Kush Himalaya verloren zwischen 2011 und 2020 rund 65 Prozent schneller Eis als im Jahrzehnt davor.

• Nepal hat innerhalb von rund drei Jahrzehnten nahezu ein Drittel seines Gletschereises verloren.

• Mehr als 12.000 Todesfälle weltweit werden bereits mit Ausbruchsfluten von Gletscherseen in Verbindung gebracht.

 

Gletscher sind mehr als beeindruckende Eislandschaften

Der weltweite Gletscherschwund wird häufig vor allem als sichtbares Symbol des Klimawandels betrachtet. Seine Bedeutung reicht jedoch wesentlich weiter.

Gletscher speichern Wasser, speisen Flüsse, beeinflussen Ökosysteme und stabilisieren Hochgebirgslandschaften. Wenn sie verschwinden, verändert sich ein über Jahrtausende entstandenes System.

Die Folgen treten dabei nicht überall gleichzeitig auf. Manche Regionen kämpfen zunächst mit zusätzlichen Wassermassen und steigenden Naturgefahren. Andere werden langfristig mit weniger verfügbarem Wasser konfrontiert.

Die Ereignisse im Himalaya sind deshalb kein Beweis dafür, dass jede Katastrophe im Hochgebirge unmittelbar durch den Klimawandel verursacht wird. Sie zeigen aber, wie verwundbar Gebirgsregionen sind – während sich ihre natürlichen Bedingungen durch die globale Erwärmung immer schneller verändern.

Hitze und Dürre setzen Europas Ernten unter Druck

Hitze und Dürre setzen Europas Ernten unter Druck

Die anhaltende Hitze und außergewöhnliche Trockenheit hinterlassen inzwischen deutliche Spuren auf Europas Feldern. Besonders Sommerkulturen wie Mais und Sonnenblumen leiden unter Wassermangel und hohen Temperaturen.

Der aktuelle Agrarbericht der EU-Kommission vom August 2026 zeichnet ein deutlich schlechteres Bild als noch zu Beginn des Sommers: In weiten Teilen West- und Mitteleuropas wurden die Ertragserwartungen deutlich nach unten korrigiert.

 

Besonders Sommerkulturen betroffen

Problematisch ist vor allem die Kombination aus hohen Temperaturen und fehlendem Niederschlag. Während der Blüte und Kornbildung benötigen Pflanzen besonders viel Wasser. Genau in dieser entscheidenden Wachstumsphase trafen mehrere Regionen Europas auf ausgetrocknete Böden und außergewöhnliche Hitze.

Die Folgen sind geringere Fruchtbarkeit, weniger Biomasse, eine schlechtere Kornfüllung und eine vorzeitige Alterung der Pflanzen.

In den am stärksten betroffenen Gebieten sind nicht mehr nur geringere Erträge zu erwarten. Lokal hält die EU sogar vollständige Ernteausfälle für möglich.

 

Von Frankreich bis Österreich und Ungarn

Besonders starke Auswirkungen meldet die EU unter anderem aus Frankreich, Süddeutschland, Nord- und Mittelitalien, Österreich, Tschechien, der Slowakei, Ungarn und dem Westen Rumäniens.

Auch in den Benelux-Staaten, Slowenien und Kroatien haben sich die Bedingungen verschlechtert. Hier trifft die Trockenheit vor allem Mais. In Regionen ohne ausreichende Bewässerungsmöglichkeiten sind die Auswirkungen besonders groß.

In Teilen Nord- und Osteuropas sieht die Situation hingegen noch deutlich besser aus.

 

Bis zu 14 Prozent unter dem Fünfjahresschnitt

Noch im Juli hatte die EU ihre Prognosen für Mais und Sonnenblumen um rund sechs bis sieben Prozent nach unten korrigiert.

Im aktuellen August-Bericht fällt die Bilanz noch schlechter aus: Die prognostizierten Erträge der Sommerkulturen liegen EU-weit inzwischen je nach Kultur bis zu 14 Prozent unter dem Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre.

Bei Wintergetreide ist die Lage wesentlich stabiler. Da die Ernte weitgehend abgeschlossen ist, bewegen sich die Erträge EU-weit insgesamt ungefähr auf dem Niveau des Fünfjahresdurchschnitts.

 

Auch Grünland und Tierhaltung betroffen

Die Trockenheit endet nicht beim Ackerbau. Auch Grünland und Weideflächen produzieren deutlich weniger Biomasse.

Damit wird die Situation auch für die Tierhaltung relevant: Weniger Gras und geringere Heuerträge bedeuten weniger verfügbares Futter. Hält die Trockenheit an, können landwirtschaftliche Betriebe gezwungen sein, früher auf eingelagerte Futterreserven zurückzugreifen oder zusätzlich Futter zuzukaufen.

 

Europas Wasserproblem wird zum Landwirtschaftsproblem

Die Entwicklung ist Teil einer größeren europäischen Trockenperiode. Seit dem Frühjahr haben geringe Niederschläge und wiederholte Hitzewellen die Bodenfeuchtigkeit in vielen Regionen stark reduziert.

Gleichzeitig steht weniger Wasser für Bewässerung zur Verfügung. In einzelnen Regionen verschärfen Einschränkungen bei der Wassernutzung die Situation zusätzlich.

Das zeigt ein grundsätzliches Problem: Landwirtschaft konkurriert während ausgeprägter Trockenperioden zunehmend mit Haushalten, Industrie, Energieversorgung und Ökosystemen um eine begrenzte Ressource.

 

Daten & Fakten

Sommerkulturen liegen 2026 je nach Kultur EU-weit bis zu 14 Prozent unter dem Fünfjahresdurchschnitt.
Besonders betroffen sind Mais und Sonnenblumen sowie weitere Sommerkulturen.
Schwere Auswirkungen werden unter anderem für Frankreich, Deutschland, Italien, Österreich, Tschechien, die Slowakei, Ungarn und Rumänien gemeldet.
In besonders stark betroffenen Regionen sind laut EU lokale Ernteausfälle möglich.
Auch Grünland und Weideflächen weisen deutlich geringere Produktivität auf.
Wintergetreide kommt 2026 dagegen EU-weit insgesamt ungefähr auf den Fünfjahresdurchschnitt.

 

Conclusio

Europas Landwirtschaft bekommt 2026 zu spüren, wie stark sich Hitze und Wasserknappheit gegenseitig verstärken können. Entscheidend ist dabei nicht nur, wie viel Regen innerhalb eines Jahres fällt, sondern wann er fällt und wie viel Wasser während kritischer Wachstumsphasen tatsächlich im Boden verfügbar ist.

Anpassung wird deshalb zunehmend Teil der europäischen Landwirtschaft werden müssen – von widerstandsfähigeren Sorten und besseren Böden über effizientere Bewässerung bis zu einer Landwirtschaft, die Wasser stärker als begrenzte Ressource behandelt.

Denn Dürre ist längst nicht mehr nur ein Problem für einzelne Regionen im Süden Europas. Sie wird zunehmend zu einer Herausforderung für die Ernährungssicherheit und Landwirtschaft des gesamten Kontinents.

Küstenschutz im Klimawandel neu denken

Küstenschutz im Klimawandel neu denken

Der klassische Küstenschutz steht unter Druck. Der Meeresspiegel steigt, extreme Wetterereignisse nehmen zu, immer mehr Küstenabschnitte erodieren und zugleich sind Küstenräume dicht genutzt – als Siedlungs-, Wirtschafts-, Natur- und Erholungsräume. Deiche einfach immer weiter zu erhöhen, ist vielerorts weder technisch noch ökologisch die beste Antwort. Das EU-Forschungsprojekt DuneFront untersucht deshalb, wie sich harte Schutzbauwerke mit dynamischen natürlichen Elementen verbinden lassen. Am Ende soll DuneFront dazu beitragen, neue Konzepte für die Planung und Errichtung naturbasierter Dünen-Deich-Lösungen zu entwickeln. Sie sollen Küsten besser schützen, Biodiversität fördern und sich zugleich stärker in Landschaften einfügen als rein technische Bauwerke.

 

Der Strandhafer wirkt unscheinbar. Für den Küstenschutz kann er jedoch entscheidend sein. Die Pflanze wächst dort, wo Sand ständig in Bewegung ist. Wird sie übersandet, reagiert sie mit neuem Wachstum und bildet weitere Wurzelebenen aus. So kann sie Dünen von innen stabilisieren und damit dazu beitragen, Küsten widerstandsfähiger gegen Sturmfluten, Seegang und den steigenden Meeresspiegel zu machen.

Genau dieses Zusammenspiel von Vegetation, Sandbewegung und Erosion steht im Zentrum des Beitrags der Technischen Universität Berlin zum EU-Forschungsprojekt DuneFront. In dem internationalen Verbundprojekt werden sogenannte Dünen-Deich-Hybride untersucht: Küstenschutzsysteme, in denen natürliche oder naturnah entwickelte Dünen mit technischen Deichstrukturen zusammenwirken. Ziel ist es, neue Konzepte für einen nachhaltigen, ästhetischen und naturnahen Küstenschutz zu entwickeln.

 

 

Dünen als wichtige Schutzlinie gegen Sturmfluten und Erosion

Dünen können dabei eine wichtige erste Schutzlinie bilden. Sie bremsen Wind und Wellen, speichern Sand, bieten Lebensraum für spezialisierte Arten und können sich unter geeigneten Bedingungen selbst weiterentwickeln. Wie belastbar solche Systeme sind, welche Rolle Pflanzen für ihre Stabilität spielen und wie sich Dünen-Deich-Hybride bei Sturmfluten verhalten, wird im Projekt an zwölf Standorten entlang europäischer Küsten untersucht – von Portugal über Frankreich, Belgien und die Niederlande bis nach Deutschland und Schweden.

Die ausgewählten Standorte sind dabei nicht als abstrakte Versuchsfelder angelegt. Viele von ihnen gelten bereits heute als besonders aufschlussreiche Beispiele dafür, wie Dünen und Deiche im Küstenschutz zusammenspielen können oder wie naturbasierte Lösungen weiterentwickelt werden. In den Niederlanden etwa wurde mit dem sogenannten Sandmotor großflächig Sand vor die Küste gebracht, der anschließend durch Meer und Strömung verteilt wird. An der belgischen Küste wiederum gibt es Abschnitte, in denen vor bestehenden Deichen gezielt Dünenwachstum angestoßen, verstärkt und vermessen wird. DuneFront knüpft an solche weit entwickelten Beispiele an, um aus ihnen übertragbares Wissen für die künftige Planung naturbasierter Küstenschutzlösungen zu gewinnen.

 

Der TU-Beitrag: Was Pflanzen für den Küstenschutz leisten

Das Team der TU Berlin konzentriert sich auf die Vegetation sandiger Küstendünen und auf die biophysikalischen Rückkopplungen zwischen Pflanzen, Sandakkumulation und Erosion. Die Arbeiten werden am Fachgebiet Pflanzenökologie unter der Leitung von Prof. Dr. Boris Schröder-Esselbach durchgeführt.

„Vegetation kann auf veränderte Bedingungen reagieren. Das ist ein großer Vorteil gegenüber einem Deich, der einmal bemessen und gebaut wird und dann steht“, sagt Dr. Jana Carus, die das Projekt zusammen mit der Doktorandin Malia Scoville bearbeitet. Pflanzen stabilisieren Dünen mit ihren Wurzeln, fangen aber durch ihre Form und Struktur auch oberirdisch Sand ein, der durch Wind transportiert wird. Dadurch können neue Dünen entstehen oder bestehende Dünen weiter anwachsen.

Besonders im Blick steht der Strandhafer, eine zentrale dünenbildende Pflanzenart. Er ist an eine Umwelt angepasst, in der Sand ständig verlagert wird. Wird er wiederholt mit Sand bedeckt, wächst er weiter nach oben und bildet neue Wurzeln. Diese Eigenschaft macht ihn besonders interessant für die Frage, wie sich Dünen durch gezielte Pflanzungen stabilisieren oder neu entwickeln lassen.

 

Forschung zwischen Mittelmeer, Atlantik und Nordsee

Für ihre Untersuchungen arbeitet die TU Berlin an mehreren europäischen Küstenstandorten. Dazu gehören ein Standort an der Mittelmeerküste bei Sainte-Marie-la-Mer in Südfrankreich, ein Standort an der französischen Atlantikküste sowie St. Peter-Ording an der deutschen Nordseeküste. Letzterer ist für das Projekt besonders aufschlussreich, weil dort eine große natürliche Düne an einem Abschnitt der Festlandküste eine Schutzfunktion übernimmt, die sonst klassischerweise ein Deich erfüllt.

Im Gelände und im Labor erfassen die Forschenden Pflanzenarten, Pflanzeneigenschaften und Vegetationsstrukturen. Sie messen, wie stabil Wurzeln sind, wie dicht und lang Wurzelsysteme ausgebildet werden und welche Eigenschaften die oberirdischen Pflanzenteile haben. Diese Daten werden mit Drohnenaufnahmen, Laserscans und Geländemodellen kombiniert. So lässt sich nachvollziehen, wie sich Dünen verändern und welchen Anteil die Vegetation an Sandablagerung und Erosionsschutz hat. In St. Peter-Ording hat das Team besonders engmaschig gemessen. Während der Vegetationsperiode wurden dort wiederholt Pflanzen, Geländeformen und Vegetationsentwicklung erfasst. Drohnenbilder liefern Geländemodelle und Vegetationsindizes, Laserscans zeigen im Detail, wo Sand abgetragen oder angelagert wird.

 

Windkanal auf der Düne, Wellenkanal im Labor

Neben der Feldarbeit spielen Experimente eine zentrale Rolle. Gemeinsam mit Projektpartner*innen werden Wind- und Wellenkanalversuche durchgeführt. Ein besonders ungewöhnlicher Ansatz kommt von der Universität Utrecht: Deren Forscher*innen bringen einen mobilen Windkanal direkt auf die Düne. Dadurch lässt sich unter kontrollierten Bedingungen untersuchen, wie Sand durch Wind bewegt wird, wie Pflanzen den Sand abbremsen und wie daraus neue Ablagerungen entstehen.

Die Ergebnisse aus den insgesamt zwölf Demonstrationsstandorten fließen in digitale Modelle ein. Diese sogenannten „Predictive Digital Twins“ sollen helfen, die Entwicklung von Dünen-Deich-Hybriden unter verschiedenen Bedingungen vorherzusagen: Wie wachsen Dünen? Wann erodieren sie? Welche Vegetation stabilisiert sie? Und wie reagieren solche Systeme auf Sturmfluten?

Moore – die natürlichen Klimaanlagen unserer Landschaf

Moore – die natürlichen Klimaanlagen unserer Landschaf

Sie speichern Wasser, kühlen ihre Umgebung und helfen bei Trockenheit und Starkregen. Österreich bringt seine Moore wieder zum Leben.

Moore sind weit mehr als Feuchtgebiete. Sie funktionieren wie riesige natürliche Wasserspeicher und können gleichzeitig wie eine Klimaanlage für ihre Umgebung wirken.

Gerade in heißen und trockenen Sommern wird diese Fähigkeit immer wertvoller. Das Blinklingmoos am Wolfgangsee zeigt aktuell, was passiert, wenn ein zuvor entwässertes Moor wieder ausreichend Wasser speichern kann.

 

Ein natürlicher Wasserspeicher

Intakte Moore funktionieren ähnlich wie ein Schwamm. Bei starken Niederschlägen nehmen sie Wasser auf und halten es in der Landschaft. In trockenen Perioden bleibt dadurch länger Feuchtigkeit verfügbar.

Gleichzeitig sorgt die Verdunstung von Wasser für einen kühlenden Effekt auf die unmittelbare Umgebung. Moore können damit dazu beitragen, Landschaften widerstandsfähiger gegenüber Hitze und Trockenheit zu machen.

Auch bei Starkregen spielen sie eine wichtige Rolle, weil Wasser nicht sofort abfließt, sondern teilweise zurückgehalten wird.

Das Blinklingmoos zeigt, was Renaturierung bewirken kann

Im Blinklingmoos bei Strobl am Wolfgangsee wurde der natürliche Wasserhaushalt über Jahre wiederhergestellt. Frühere Entwässerungsgräben wurden verschlossen und Wasser wieder im Moor gehalten.

Gerade während trockener Perioden wird der Unterschied sichtbar: Auch wenn die Oberfläche trocken erscheinen kann, bleibt im renaturierten Moor darunter Feuchtigkeit erhalten.

 

Österreich belebt seine Moore wieder

Mit LIFE AMooRe – Austrian Moor Restoration läuft derzeit das größte Moor-Renaturierungsprojekt Österreichs.

Bis 2033 sollen auf rund 1.400 Hektar Moorflächen Maßnahmen zur Wiedervernässung und Renaturierung umgesetzt werden. Rund 40 Moorgebiete in allen neun Bundesländern sind Teil des Projekts.

Dafür stehen insgesamt 44,23 Millionen Euro zur Verfügung.

Der Handlungsbedarf ist groß: Österreich verfügt über rund 44.000 Hektar Moorflächen. Mehr als 90 Prozent davon sind durch frühere Entwässerungen beeinträchtigt.

 

Kleine Flächen mit großer Wirkung

Moore bedecken nur einen kleinen Teil unserer Landschaft und erfüllen dennoch mehrere wichtige Funktionen gleichzeitig.

Sie speichern Wasser und Kohlenstoff, schaffen Lebensraum für spezialisierte Tier- und Pflanzenarten und können dabei helfen, die Folgen von Wetterextremen abzumildern.

Die Wiederherstellung von Mooren zeigt damit sehr konkret, was moderner Klima- und Naturschutz leisten kann: natürliche Systeme wieder funktionsfähig und unsere Landschaft widerstandsfähiger zu machen.

Das Blinklingmoos am Wolfgangsee ist dafür ein anschauliches Beispiel.

Manchmal liegt ein Teil der Lösung direkt unter unseren Füßen.

 

Daten & Fakten

44.000 Hektar Moorflächen gibt es in Österreich.

Mehr als 90 Prozent davon sind durch frühere Entwässerungen beeinträchtigt.

1.400 Hektar sollen im Rahmen von LIFE AMooRe renaturiert werden.

Rund 40 Moorgebiete in allen neun Bundesländern sind beteiligt.

44,23 Millionen Euro beträgt das Gesamtbudget des Projekts.

 

Conclusio

Moore zeigen, dass wir für viele Herausforderungen des Klimawandels nicht ausschließlich neue technische Lösungen entwickeln müssen. Die Natur stellt uns bereits wirkungsvolle Systeme zur Verfügung.

Moore zu schützen und geschädigte Flächen wiederherzustellen bedeutet, Wasser in der Landschaft zu halten, Lebensräume zu schaffen, Kohlenstoff zu speichern und die Widerstandsfähigkeit gegenüber Hitze und Wetterextremen zu erhöhen.

Das Beispiel aus Österreich zeigt: Renaturierung wirkt – wenn wir der Natur die Möglichkeit dazu geben.