Jean Ziegler ist tot – Ein unbequemer Mahner gegen Hunger und Ungerechtigkeit
Jean Ziegler ist im Alter von 92 Jahren in Genf verstorben. Mit dem Schweizer Soziologen, Politiker, Autor und ehemaligen UNO-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung verliert die Welt eine der prägendsten Stimmen im Kampf gegen Hunger, Armut und globale Ungleichheit.
Über Jahrzehnte stellte Ziegler unbequeme Fragen. Warum hungern Menschen in einer Welt des Überflusses? Warum profitieren manche Regionen vom globalen Wohlstand, während andere unter Armut, Hunger und Ausbeutung leiden? Seine Antworten waren oft kontrovers, seine Kritik an Politik, Finanzsystem und multinationalen Konzernen scharf – und genau deshalb wurde er weit über die Schweiz hinaus bekannt.
Der Kampf gegen den Hunger als Lebensaufgabe
Internationales Ansehen erlangte Ziegler vor allem als UNO-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung. Zwischen 2000 und 2008 bereiste er zahlreiche Länder, dokumentierte Hungerkrisen und machte auf die strukturellen Ursachen von Armut aufmerksam. Für ihn war Hunger kein Naturereignis, sondern das Ergebnis politischer und wirtschaftlicher Entscheidungen.
Besonders eindringlich war seine Aussage, die ihn weltweit bekannt machte: Ein Kind, das an Hunger stirbt, sei nicht Opfer eines Mangels an Nahrung, sondern Opfer eines Systems, das seine Versorgung nicht sicherstellt. Diese Haltung prägte sein gesamtes Wirken.
Kritik am globalen Wirtschaftssystem
Ziegler gehörte zu den bekanntesten Globalisierungskritikern Europas. Er kritisierte Spekulationen mit Nahrungsmitteln, Steuerflucht, Korruption und die Macht großer Finanz- und Wirtschaftskonzerne. Gleichzeitig engagierte er sich für internationale Solidarität und eine gerechtere Verteilung von Ressourcen.
Dabei polarisierte er regelmäßig. Für die einen war er ein unbeirrbarer Kämpfer für soziale Gerechtigkeit, für andere ein ideologischer Kritiker des Kapitalismus. Unbestritten ist jedoch, dass er die Debatte über globale Verantwortung, Hunger und Entwicklungspolitik über Jahrzehnte geprägt hat.
Warum Jean Zieglers Botschaft heute aktueller denn je ist
Die Themen, die Jean Ziegler bewegten, sind auch 2026 hochaktuell. Der Klimawandel bedroht Ernten auf der ganzen Welt, Wasser wird in vielen Regionen knapper, und geopolitische Krisen verschärfen die Unsicherheit bei der Lebensmittelversorgung.
Gleichzeitig produziert die Welt weiterhin genügend Nahrung, um alle Menschen zu ernähren. Die entscheidende Frage bleibt daher dieselbe, die Ziegler jahrzehntelang gestellt hat: Wie gelingt eine gerechte Verteilung der vorhandenen Ressourcen?
Gerade für Nachhaltigkeitsinitiativen wie pro.earth bleibt sein Vermächtnis deshalb relevant. Denn ökologische Herausforderungen und soziale Gerechtigkeit lassen sich nicht voneinander trennen. Wer über Klimaschutz spricht, muss auch über Ernährungssicherheit, Wasserzugang und globale Verantwortung sprechen.
Daten und Fakten
Jean Ziegler wurde am 19. April 1934 in Thun in der Schweiz geboren.
Er war 27 Jahre Mitglied des Schweizer Nationalrats.
Von 2000 bis 2008 war er UNO-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung.
Er veröffentlichte mehr als 30 Bücher zu den Themen Hunger, Globalisierung und soziale Gerechtigkeit.
Jean Ziegler starb am 10. Juni 2026 im Alter von 92 Jahren in Genf.
Mit Jean Ziegler verliert die Welt einen ihrer lautesten Kritiker globaler Ungleichheit. Seine zentrale Botschaft bleibt bestehen: Hunger, Armut und Umweltzerstörung sind keine unvermeidbaren Schicksale – sie sind Herausforderungen, für die Menschen Verantwortung tragen.
Foto: Boris Dupont / Wikimedia Commons (CC BY-SA 4.0)






